„Das Kind steht im Mittelpunk mit seinen Wünschen, Interessen und Fähigkeiten“

In dieser Kita sind nicht nur die Kinder aktiv: Auch die Eltern packen mit an, um „ihre“ Kita zu einem schönen Ort zu machen. Das KinderHaus Leubnitz wird vom gleichnamigen Verein betrieben. Und Vereinsarbeit bedeutet eben immer auch, selbst aktiv zu werden. Die Vereinsgeschäftsführerin Beate Nobis und das pädagogische Team sorgen dafür, dass alle mit anpacken, um optimale Bedingungen für Ihre Schützlinge zu schaffen.

Hallo Dresden: Warum ist es für Kinder wichtig, in die Kita zu gehen? Können sie nicht mit Eltern und Kindern aus der Nachbarschaft ihre Zeit verbringen?
Beate Nobis: Ich denke, unsere Kita-Einrichtungen sind ganz, ganz wichtig. Sobald die Kinder zu uns in die Kita kommen, ist das schon Schulvorbereitung. Essentiell sehe ich den sozialen Kontakt, den Kinder untereinander haben müssen. Ganz wichtig ist es, dass die Kleinen vieles erleben, was sie Zuhause nicht erleben können – angeleitet von unserem Fachpersonal von ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern.

Hallo Dresden: Wo hören vielfältige Lernerfahrungen auf und wo fangen Überforderung und Stress für die Kinder an?
Beate Nobis: Die Kita hat einen eindeutigen Lern- und Bildungsauftrag nach dem Sächsischen Bildungsplan hat, laut dem eindeutig das Spiel im Vordergrund steht. Denn unsere Kinder lernen durch das Spiel. Somit muss der Tagesablauf nach ihren Interessen, Möglichkeiten und Erfahrungen geplant und gestaltet werden. Dabei wird vielseitiges und interessantes Material eingesetzt und nach wie vor stehen immer die Tätigkeiten der Kinder im Vordergrund. Somit können ganz klar Stress und Überforderungen vermieden werden. Ganz wichtig, ist es außerdem, dass Kinder unter Gleichaltrigen lernen. Wenn man davon ausgeht, dass Bildung Selbstbildung ist, dann bedeutet das natürlich für uns: interessante Räume, interessantes Material, interessante Erzieher und interessante Tätigkeiten bereitzustellen. Ich denke, Überforderung kommt dann bei den Kindern, wenn sehr viele Aktionen im Kindergarten angeboten werden. Daher ist es besser, kein Überangebot für die Kinder zu erstellen, sondern gezielte Angebote und Aktionen anhand der Interessen der Kinder zu entwickeln. Das Kind steht im Mittelpunk mit seinen Wünschen, Interessen und Fähigkeiten.

 

Hallo Dresden: Was in der Kita passiert, ist das Eine – etwas Anderes ist oft, was Daheim passiert: Wie bereitet Ihr die Kinder auf den Spagat vor? Ist das überhaupt nötig bzw. möglich?
Beate Nobis: In der Kita wird eindeutig nach dem Sächsischen Bildungsplan abgestimmt, welcher eindeutig für die Altersbesonderheiten der Kinder ausgearbeitet wurde. Für uns ist es dennoch ganz wichtig, zusammen mit den Eltern eine ständige Begleitung zu geben. Dazu sind der regelmäßige Austausch, Entwicklungsgespräche und Elternabende von Vorteil, um die besten Entscheidungen für das Kind zu treffen. Unsere Konzeption beinhaltet, alles das, was die Kinder tun, sollen sie selbst tun…, also ist Bildung Selbstbildung. Wichtig ist für uns, dass wir den Kindern Lernstrategien vermitteln wollen, das heißt unsere Kinder sollen lernen wie man richtig lernt.

Hallo Dresden: Lassen sich die Eltern dafür mit ins Boot holen?
Beate Nobis: Unsere Konzeption wird schon im Aufnahmegespräch vermittelt. Daher haben wir, würde ich sagen, alle Eltern im Boot. Es werden tägliche Reflektionen und Portfolios geschrieben und daher wissen die Eltern auch, wie wir Wissen vermitteln. Des Weiteren ist den Eltern bekannt, dass wir keine Basteleinrichtung sind, basteln kann ich auch noch im Altersheim – Wissen zu vermitteln steht im Vordergrund. Also, es ist eher ein Entwicklungsprozess für die Kinder unter ständiger Begleitung der Eltern.

Hallo Dresden: In Diskussionen um Kita-Betreuung ist immer ein Kritikpunkt, dass zu wenige Männer für die Kinder präsent seien. Empfindet Ihr das auch so?
Beate Nobis: Wir haben 38 Erzieher und davon sind 7 Erzieher männlich. Also fast jede Gruppe wird von einem männlichen Erzieher betreut. Außerdem sind bei uns vier junge Leute, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren, darunter sind auch zwei Männer. Wir können uns also nicht beklagen (lacht).

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Simone Fröhner und Beate Nobis (re.) halten das pädagogische Team, den Verein, die Eltern und die Kinder zusammen.

 

Hallo Dresden: Warum ist der Männeranteil überhaupt so relevant?
Beate Nobis: Ich denke, dass das Berufsbild sich schon ein wenig gewandelt hat. Zuerst einmal finde ich es für das Pädagogen-Team ganz wichtig, Männer und Frauen zusammen im Boot zu haben: So werden Diskussionen in manchen Punkten etwas objektiver betrachtet und geführt. Vor allem aber für die Kinder ist es wichtig, da wissenschaftlich erwiesen ist, dass Mädchen und Jungen auf unterschiedliche Art und Weise lernen und dazu auch unterschiedliche Vorbilder brauchen. Zudem gibt es Aktivitäten, bei denen es von Vorteil ist, Männer im Haus zu haben. Wir haben zwar auch sehr flotte Erzieherinnen, aber beim Fußballspielen oder Bäumeklettern, ist doch eher der Mann für die Kinder die Bezugsperson.

Hallo Dresden: Euer Gebäude ist unter anderem mit Kreativbereich und Sportraum ausgestattet; der Garten ist reichhaltig bepflanzt und bietet viele Spielmöglichkeiten. Wie war der Weg von der Idee bis hierher?
Beate Nobis: Seit dem Jahr 2000 sind wir der KinderHaus Leubnitz e. V. geworden und von daher hatten wir die Gestaltung des Gartens in unserer Hand. Daher haben wir uns noch im selben Jahr einen Architekten genommen, der uns von da an fortlaufend eine Gartengestaltung entwickelt hat, die wir immer schrittweise gemeinsam mit den Eltern und den Kindern verwirklicht haben. Besonders dabei hervorzuheben ist, dass alle Materialien aus Naturholz oder Sandstein bestehen.

Hallo Dresden: Die Verantwortung für das Kinderhaus liegt in Vereinshänden, was sicher seine Vor- und Nachteile hat…
Beate Nobis: Ich sehe eigentlich mehr die Vorteile. Wir als Geschäftsleitung können über unsere Bedürfnisse und denen der Kinder entscheiden. Wir haben einen sehr guten Vorstand, welcher aber weniger mit der Pädagogik zu tun hat, eher mit Wirtschaft. Somit ist uns auf eine sehr selbständige Art und Weise möglich, wie wir die Kita führen. Daher können unsere Gelder variabel für das verwenden, was wir als notwendig erachten.

 

 

Hallo Dresden: Eure Kita liegt mitten in Leubnitz. Welche Möglichkeiten habt Ihr, den Stadtteil mit den Kindern zu erleben?
Beate Nobis: Wir haben fast nur Leubnitzer Kinder, die meisten ihrer Familien wohnen schon seit Generationen hier. Daher haben wir auch sehr viele Möglichkeiten, Firmen und andere Einrichtungen zu besuchen, wie die Bäckerei Heller, den Schmied Friedrich oder Tischlereien. Es sind also viele Ausflüge möglich. Eine ganz enge Beziehung pflegen wir auch zur Kirche und zum Altersheim. Man kann somit sagen, dass sich im Laufe der Jahre ein wahnsinnig großes Netzwerk entwickelt hat.

Hallo Dresden: Aus Eurer Sicht als Experten für kleine Kinder gesprochen: Was wünscht Ihr Euch noch für die Kinder im Stadtteil?
Beate Nobis: Eigentlich werden wir von allen anerkannt. Das heißt wir können uns da nicht beklagen.


Info
gegründet: 1998 (seit 2000 in freier Trägerschaft)
Anzahl Erzieher: 38 (Sozialpädagogen, Erzieher)
Anzahl Kinder: 276
Alter Kinder: 0,5 -7 Jahre
Öffnungszeiten: 06:00 Uhr – 17:30 Uhr


 

Kontakt
Kinderhaus Leubnitz e.V.
Karl-Laux-Straße 1-3
01219 Dresden
Telefon: 0351 4708046
E-Mail: beate.nobis@kinderhausleubnitz.de
www.kinderhausleubnitz.de

Fotos: (c) KinderHaus Leubnitz & SachsenVerlag

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