„Die Kinder spüren, dass sie in ihrer Einzigartigkeit gewollt und geliebt sind“

Die ersten Eindrücke im Leben prägen nachhaltig. Und wenn Kinder einen großen Teil Ihrer Zeit in einer Kindertageseinrichtung verbringen, dann wollen sich die Eltern sicher sein, dass es der richtige Platz für ihr Kind ist. Die evangelische Kita „Himmelsschlüssel“ ist ein vielfältiger Ort des Erlebens. Annett Zeißig-Noth kümmert sich mit Ihrem Team um die Weixdorfer Kinder.

Hallo Dresden: Was ist ein „Himmelsschlüssel“? Und warum steht er Pate im Namen der Kita?
Annett Zeißig-Noth: Der Name „Himmelsschlüssel“ wurde aus vielen Vorschlägen von Kindern, Eltern und Kirchgemeindemitgliedern rund ein halbes Jahr nach der Eröffnung der Kindertageseinrichtung gewählt. „Himmelsschlüssel“ hat uns wegen seiner Doppeldeutigkeit gut gefallen. Zum einen, so hat uns eine ältere Frau erzählt, sind auf unserem Grundstück an dem kleinen Bachlauf im Frühjahr immer viele Himmelschlüssel erblüht; Ein paar wenige kann man auch heute noch finden. Zum anderen gefällt uns auch das Bild „den Himmel aufschließen“ gut. Mit unserem Leitbild „Besser mit Nächstenliebe“ wünschen wir uns, den Kindern ein Stück Himmel aufschließen zu können.

Hallo Dresden: Der Weg zur Eröffnung der Kita war ein mühsamer. Welchen Herausforderungen standen die Engagierten gegenüber.
Annett Zeißig-Noth: Stolpersteine auf dem Weg zu einem evangelischen Kindergarten in Weixdorf gab es, seit die Idee in den 1990er-Jahren geboren wurde, so einige. So musste die Frage nach einem geeigneten Grundstück oder Gebäude geklärt werden. Viele Vorschläge mussten jedoch aus verschiedensten Gründen verworfen werden. Die finanziellen Grundlagen mussten geschaffen werden und nicht zuletzt brauchte es engagierte Leute, die an einem Strang ziehen und das Projekt vorantreiben. Mit dem Konjunkturpaket von Frau Merkel, der zeitgleichen Renovierung der Weixdorfer Oberschule und dem damit frei werdenden Gebäude auf der Lausaer Kirchgasse sowie dem sehr engagierten Pfarrer Hecker und einem motivierten Kirchvorstand, der nun hinter dem Projekt Kindergarten stand, konnte 2010 das langjährige Vorhaben in die Tat umgesetzt werden.

Hallo Dresden: Heute kümmert sich die Diakonie Stadtmission Dresden um die Impulse „aus dem Hintergrund“ und die formale Verwaltung. Welche Rolle übernimmt die Kirchgemeinde in der Partnerschaft?
Annett Zeißig-Noth: Zwischen der Diakonie–Stadtmission Dresden und der Kirchgemeinde Weixdorf besteht eine enge Kooperation, die mit viel Leben gefüllt ist. So sind die Kinder in regelmäßigen Abständen mit Liedern und kleinen Theaterstücken im Gottesdienst vertreten, es gibt gemeinsam ausgestaltete Feste, die Kantorin singt und musiziert mit den Kindern, der Pfarrer und der Gemeindediakon gestalten Andachten in der Kita. Die Kindergartengruppen gehen in die gegenüberliegende Kirche, um dort zum Tauftag eine Kerze anzuzünden oder auch, um in dem großen Gemeindegarten Fußball zu spielen.

Hallo Dresden: Wie präsent ist Kirche, ist Gott, ist Glauben im Alltag der Kita?
Annett Zeißig-Noth: Die Religionspädagogik ist ein Schwerpunkt unseres Konzepts, der uns von anderen Kitas unterscheidet, uns sehr wichtig ist und auch gelebt wird. Besonders viel Freude macht es uns, mit den Kindern zusammen über Gott und die Welt zu philosophieren. Wir durchleben mit ihnen sehr bewusst die Feste des Kirchjahres und leben christliche Werte, wie Nächstenliebe, Vergebung, Dankbarkeit in unserem Kita-Alltag, dabei ist uns eine offene Haltung diesbezüglich sehr wichtig. Die Kinder bekommen von uns keine vorgefertigten Antworten oder Glaubensdoktrin, vielmehr begeben wir uns mit den Kindern auf den Weg.

Hallo Dresden: Wie hilft der Glauben den Kindern?
Annett Zeißig-Noth: Die Kinder spüren, dass sie in ihrer Einzigartigkeit gewollt und geliebt sind, dass sie nicht perfekt sein müssen, sondern Fehler machen dürfen, die ihnen verziehen werden. Dadurch lernen sie, sich eigenes Fehlverhalten einzugestehen, Vergebung anzunehmen und auch selbst, anderen zu verzeihen. Hier ist besonders das Pädagogenteam gefordert, durch Einzel- und Gruppengespräche Situationen auszuwerten, auf die Empfindungen der Kinder einzugehen, die anderen zu Mitgefühl zu ermuntern, gemeinsam mit ihnen nach Lösungen zu suchen und dabei Regeln des Zusammenlebens aufzustellen.

Zeißig-Noth_Foto.Kita.Himmelsschlüssel

Annett Zeißig-Noth von der Diakonie Stadtmission Dresden hat als Kita-Leiterin ein offenes Ohr für ihre Schützlinge und deren Eltern.

Hallo Dresden: Eine Kita ist jedoch nicht allein ein Hort für die Kinder, sondern auch ein wichtiger Kommunikationsort für und mit den Eltern. Welche Angebote nutzen die Eltern schon rege?
Annett Zeißig-Noth: In unserem Haus gibt es einen sehr engagierten Elternbeirat. Mit ihm zusammen planen wir gemeinsame Wanderungen, Elterncafés und Feste. Diese geben den Eltern die Möglichkeit, sich ungezwungen auszutauschen. Neben den Gruppenelternabenden veranstalten wir auch Themenelternabende, so zum Beispiel zur Partizipation der Kinder, zu sexueller Erziehung oder zu Geschwisterbeziehungen.

Hallo Dresden: Welche Möglichkeit haben die Kinder durch ihre Teilhabe? In welchen Bereichen erlebt Ihr die Kinder als kompetent mitzugestalten?
Annett Zeißig-Noth: In unseren Gesprächskreisen planen wir mit den Kindern zusammen unseren Alltag. Dabei sind die meisten Kinder sehr aktiv und haben tolle Ideen. Gemeinsam werden Ausflugsziele ausgewählt, Regeln ausgehandelt und festgelegt, die Kinder bestimmen mit, wie die Zimmer ein- und umgeräumt werden, mit welchen Projekten wir uns beschäftigen, welche Attraktionen es zum Sommerfest geben soll und vieles mehr. Uns ist es wichtig, die Kinder zu selbstbestimmten Menschen heranwachsen zu lassen, die ihr Gegenüber mit dessen Bedürfnissen wahrnehmen, wertschätzen und tolerieren lernen. Die Kinder sollen fähig sein, sich eine Meinung zu bilden und diese zu äußern, ebenso aber auch die Ideen der anderen zu respektieren und Rücksicht zu nehmen. Das ist ein Prozess des Lernens, welchen wir durch die Teilhabe im Alltag fördern.

 

Hallo Dresden: Was bedeutet das für Pädagogen? Ändert sich die Arbeitsweise oder der Umgang mit den Kindern?
Annett Zeißig-Noth: Ja grundlegend. Der Pädagoge ist nicht mehr der „Macher“, der mit einem fertigen Plan in der Tasche in den Kindergarten kommt, um die Kinder für seine Ideen zu begeistern. Die Aufgaben der Pädagogen bei uns im Haus sind, die Kinder genau zu beobachten: Was ist gerade für sie interessant, was spielen sie gerne, was beschäftigt sie. Gemeinsam mit den Kindern machen sie sich auf den Weg, um Antworten auf ihre Fragen zu finden, zu philosophieren, zu experimentieren und zu forschen. Die Pädagogen geben Impulse, bieten Material und Hilfestellung, um die Themen zu vertiefen, geben aber keine fertigen Antworten. Das erfordert sehr viel Spontanität, Flexibilität und ein Schatz an kreativen Ideen im Kopf. Der Pädagoge ist Begleiter, Unterstützer, Helfer. Die Akteure sind die Kinder selbst.

Hallo Dresden: Aber in der Regel geht es raus: Wo sind die Kinder am liebsten und was machen sie dort besonders gerne?
Annett Zeißig-Noth: Für unsere Jungs und auch einige Mädchen ist das Fußballspielen ganz wichtig, hier bietet der Pfarrgarten Platz. Viele Kinder bauen in unserem großzügigen Außengelände gerne Buden und spielen Familie, Reiterhof, Baustelle und ähnliches. Ganz beliebt ist auch unsere Matschstrecke, bei welcher sich die Kinder mit einem am Seil befestigten Eimer das Wasser aus dem Bach holen können. Gerade die jüngeren Kinder gehen auch gerne zu dem nahegelegenen Schulbauernhof und schauen sich dort die Tiere an.

Hallo Dresden: Warum ist das „Rausgehen“ für Euch und die Kinder so wichtig?
Annett Zeißig-Noth: Die Kinder sollen ihre Umwelt mit allen Sinnen wahrnehmen. Gerade die Natur bietet dazu vielfältige Möglichkeiten: Wie fühlt es sich an barfuß über feuchtes Moos zu laufen, mit den Händen im Matsch zu moddern, die Sonne und den Wind oder auch den Regen im Gesicht zu spüren? Auch dem Bewegungsdrang der Kinder kann man im Garten beim Fußballspielen und Dreirad fahren oder beim Toben im Wald am besten gerecht werden.

Hallo Dresden: Wie gelingt es Euch, dass die Kinder sich wohlfühlen?
Annett Zeißig-Noth: Die Kinder stehen bei uns im Mittelpunkt. Wir gestalten unseren Alltag offen und zusammen mit den Kindern, sodass jedes Kind Raum für seine Interesse und Bedürfnisse findet. Für unsere Pädagogen ist die Arbeit in der Kita nicht nur ein Job, sondern sie sind mit dem Herz dabei und mögen „ihre“ Kinder und das spüren die Kinder sehr deutlich.


 

Kontakt
Kita Dresden-Weixdorf „Himmelsschlüssel“
Leitung: Annett Zeißig-Noth
Telefon: 0351 81160499
Lausaer Kirchgasse 1-3
01108 Dresden
E-Mail: evkitaweixdorf.leitung@diakonie-dresden.de
Webseite: Kita Himmelsschlüssel

Fotos: Diakonie Dresden/Kita Himmelsschlüssel (Fotograf: Eric Münch)

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