„Bei Blümchen, Herzchen und Co. wird es schwierig“

„customMob“ ist ein junges Design-Label, welches sich auf individuelle Motive spezialisiert hat, denen eher eine düstere Sicht der Dinge eigen ist. Mit Erfolg: Die beiden „Schädel“ Antje Heidel und Kersten Lochow sind gut unterwegs, sich deutschlandweit in der Szene beliebt zu machen. Vermitteln ihre Motive auf den ersten Blick eher eine Weltuntergangsstimmung, sind dagegen die Kleidungsstücke, auf denen sie gedruckt werden, aus ökologisch-nachhaltiger Produktion. Eine kreative Mischung.

Hallo Dresden: Wer sind „customMob“?
Kersten Lochow: „customMob“, das sind Kersten, der Kreative und Antje, die Verwaltende. Partner im Leben, Partner im Geschäft sowie Mama und Papa – also quasi ein kleines Familienunternehmen. Entwerfen, zeichnen, drucken, Rechnungen schreiben und die Ware versandfertig verpacken – all das passiert in den heiligen heimischen Hallen. Wir haben also keinen Laden oder ein Geschäft, da wir vorrangig online unterwegs sind.

Hallo Dresden: Ein Team von Zweien: Das heißt Arbeitsteilung?
Antje Heidel: Der Kreativkopf ist Kersten – er hat die Inspiration im Kopf und das Können in der Hand. Er entwirft, zeichnet auf Papier und bearbeitet am PC – und letztlich druckt er auch.
Kersten Lochow: Und Antje liebt Papier, Aktenordner, Zahlen und den ganzen Büro-Kram, Buchhaltung, Steuer etc. Jeder macht das, was er besonders gut kann. Beim Verpacken und Versenden ist dann jeder mal dran.

Kersten Lochow_c_customMob

Kersten Lochow kann auch bunt. Dennoch bleibt der Grafikkünstler bei der Wahl seiner Motive wählerisch. Wer zu ihm kommt, bekommt dennoch sehr individuelle Motive.

 

Hallo Dresden: Die obligatorische Frage an jeden Künstler: Wie bist Du zum Zeichnen gekommen?
Antje Heidel: Ich bin raus…
Kersten Lochow: Schon als Kind habe ich dutzende Blätter gefüllt. Allerdings drehten sich die Motive damals eher um Geschichten wie „1000 Meilen unter dem Meer“, Autos oder Knight Rider! Später, beim Abi, meinte meine Kunstlehrerin, ob ich denn nicht „was mit Gestaltung“ machen wolle – ich hätte das Zeug dazu! Gesagt getan. So begann ich eine Ausbildung am mediencollege in Dresden. Mein damaliger Kunst- und Zeichenlehrer – und fast schon Mentor –, Vikas Rosenthal, kitzelte in vier Jahren alles aus mir heraus, was ging. Von ihm habe ich viel gelernt – nicht nur in Bezug aufs Zeichnen. Danke dafür!

Hallo Dresden: Und die obligatorische Frage an jeden Unternehmer: Wie fing das an mit Eurem Unternehmen?
Kersten Lochow: Ganz unspektakulär. Ich hab mich einfach gefragt, ob es eine Nachfrage für meine Motive geben könnte und hab‘ los gelegt. Und die GbR haben wir gegründet, um einfach alles auf legalem Wege betreiben zu können. Dann kurze Beratung beim Steuerberater und los ging’s.
Antje Heidel: Und da man eine GbR nicht alleine gründen kann, hab ich mich mit ins Boot gesetzt; Das war etwa Anfang 2015.

customMob_office_c_customMob

Im Homeoffice von Antje Heidel und Kersten Lochow zieren einige der schönsten Motive die Wände. Gestaltet wird entweder klassisch mit Stift und Papier oder für sehr komplexe Motive digital am Rechner.

 

Hallo Dresden: Heute ist customMob ein Insidertipp in Sachen Underground-Label für Freizeitkleidung. Was schätzen die Kunden an Euren Produkten?
Antje Heidel: Wir sind schon ein Insidertipp!? – Wir sind auf jeden Fall individuell. Wir produzieren Einzelstücke beziehungsweise sehr, sehr kleine Auflagen und keine Massenware. Wir haben kein Lager, welches mit Ware überquillt. Wir fertigen zeitnah auf Kundenwunsch, auch kündigen wir über Facebook die nächste Produktion an, woraufhin bis zu einem bestimmten Datum bestellt werden kann.
Kersten Lochow: Aber auch wer die Deadline verpasst, geht bei uns nicht leer aus. Dann wird das Drucksieb halt noch mal eingespannt. Immer wieder bekommen wir auch positives Feedback zur guten Qualität der Materialien und dass es eben ökologisch-nachhaltige Stoffe sind.

Hallo Dresden: Inwiefern lohnt sich die Investition in die Verwendung von Öko-Stoffen?
Antje Heidel: Es vermittelt einfach ein gutes Gefühl – bei uns und unserer Kundschaft. Wir legen Wert auf Qualität und wenn sich das mit Nachhaltigkeit kombinieren lässt, umso besser! Der Unterschied ist regelrecht fühlbar. Man sollte halt immer schauen, dass man einen kleinen Beitrag zu etwas Besserem leisten kann. Wir verwenden die Klamotten von „continental clothing“ – schöne Schnitte, schöne Materialien und Farben. Gut für’s Gewissen.
Kersten Lochow: „Billig aber geil“ ist nicht unser Motto: Was nützt mir ein tolles Motiv auf einer Klamotte, die ich zwei Mal wasche und dann einen verdrehten Sack anhabe?! Außerdem möchte ich nicht, dass unsere Klamotten in Chemie getränkt und von Kindern zusammengenäht werden.

 

Hallo Dresden: Ihr druckt die Motive mit vielen Feinheiten…
Kersten Lochow: Ja – dazu nutzen wir digitale Druckverfahren. Im Digitaldruck ist das A und O die Auflösung – heißt also – das Bild groß genug anlegen beziehungsweise beginnen zu zeichnen! Wenn die Auflösung ausreichend hoch ist, kann nahezu alles auf Stoff gedruckt werden. Der Vorteil ist, man kann sich austoben ohne Ende, während man im Siebdruck immer die „Machbarkeit“ im Blick haben muss.

Hallo Dresden: Ihr druckt also auch Handsiebdruck. Macht Ihr das selbst?
Kersten Lochow: Ja, was auch der Grund mit war, das Ganze etwas professioneller aufzuziehen. Die Ausrüstung kostet ja auch bisschen was – und das nur für den Privatgebrauch, das wäre dann schon ein kostenintensives Hobby.

Hallo Dresden: Was ist das Besondere am Handsiebdruck?
Kersten Lochow: Ich glaube, das ist so ein „Selbstverwirklichungsding“. Ich wollte vom ersten Strich an alles selbst in die Hand nehmen – bis auf den Büro-Kram.

Hallo Dresden: Eure Motive wirken ein wenig… morbide: Oft sind Schädel zu sehen, die Farben sind dunkel, die Konturen verlaufen oder zerstreuen. Könnt Ihr auch anders?
Antje Heidel: Kann er. Aber für customMob bleibt Kersten seinem Stil treu. Und dazu gehören nun mal Totenschädel. Als Weltuntergangsstimmung würde ich das jedoch nicht bezeichnen – es gibt sehr schöne, sehr filigrane Motive mit Blüten und Faltern. Da denkt man nicht an Weltuntergang.
Kersten Lochow: Ich könnte, wenn ich denn wöllte! Nein, Spaß – natürlich kann ich auch anders. Aber customMob ist mein Ding und wer es nicht mag, der mag es halt nicht. Wir möchten damit nicht reich werden und enden wie die Geissens. Das, was ich bei customMob „produziere“ bildet das perfekte Gegengewicht zu meinem Job, wo ich auf Kundenwünsche eingehen muss und nicht immer so kann, wie ich gern wöllte.

hoodie_pillnitz_c_customMob

An der Elbe zuhause: Antje Heidel und Kersten Lochow lassen sich von Dresden inspirieren – gefragt sind ihre Motive jedoch längst international.

 

Hallo Dresden: Wenn ich ein Shirt von Euch haben möchte: Wie geht das?
Antje Heidel: Wenn Kersten ein neues Motiv fertig hat, stellt er es online und unsere Follower haben bis zu einem bestimmten Datum Zeit, uns ihren Bestellwunsch mitzuteilen. Hierbei bieten wir meist die Möglichkeit, dass sich jeder sein Shirt und die Farbe vor dem Druck selbst aussucht. Dann erst wird der Stoff bestellt. Bei bestimmten Motiven gibt es Einschränkungen in Farbe, Material und Schnitt, worauf wir dann gesondert hinweisen. Auf unserer Website stehen alle bisherigen Motive zur Auswahl; auch gibt es da einen „Sale“ für Lagerware.
Kersten Lochow: Wir sind auch bei Facebook, WhatsApp und Instagram – einfach mit uns in Kontakt treten und sagen, was man gern hätte. Ich entwerfe Motive auch nach Kundenwunsch und Absprache – hier gibt es dann einen Entwurf, der mit dem Kunden detailliert besprochen wird und irgendwann steht das fertige Motiv, welches gedruckt werden kann. Bei Blümchen, Herzchen und Co. wird es allerdings schwierig…

Hallo Dresden: Unbestritten sind die Motive echte Kunstwerke, bekomme ich auch ein Autogramm auf mein Shirt?
Kersten Lochow: Geile Idee!


 

Kontakt
customMob – can you dig it!
Antje Heidel & Kersten Lochow GbR
Freischützstraße 13
01259 Dresden
Telefon: 0351 31583393
info@custom-mob.de
www.custom-mob.de
www.facebook.com/customMob

Fotos:
– (c) customMob (Hoodie Pillnitz/Office/Lochow)
Señorita Peca (basecap) / (c) DittÈ Photography & Photoshop Artist
Señorita Peca (Hoodie & Header-Bild) / (c) Lobotomist Fotografie

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