„Wir sind Konsumenten und Verarbeiter des alltäglichen Irrsinns“

Den Honoratioren Dresdens sind sie wie Pech und Schwefel; dem Publikum gehen ihre Aufführungen runter wie Öl, sind Balsam für die aufgeklärte Seele und bestes Lachmuskeltraining. Manfred Breschke und Thomas Schuch sind ein ausgezeichnetes Kabarett-Duo, das sich neben den eigenen Aufführungen auch um Nachwuchs-Satiriker kümmert.

Hallo Dresden: 2016 ist ein Jubiläumsjahr: Seit 25 Jahren steht Ihr schon gemeinsam auf der Bühne. Stimmte die Chemie von Anfang an?
Beide: Ja.

Hallo Dresden: Seit bald 20 Jahren seid Ihr die Herren in Eurem eigenen Haus. Seid Ihr zufrieden bisher?
Thomas Schuch: Nein. Wer zufrieden ist, kann aufhören.
Manfred Breschke: Unzufrieden bin ich nicht. Wir haben das Kabarett immer erneuert und verbessert. Wir sind die einzige Bühne, die sich zum „Sachsensumpf“ geäußert hat. Wir hatten über fünf Jahre ein abendfüllendes Programm gemeinsam mit behinderten Laiendarstellern im Spielplan. Wir haben mit den Dresdner Salon-Damen unter dem Titel „Rumpelkammer“ ein kabarettistisches Musical und mit „August in der Unterwelt“ eine Krimi-Kabarett-Operette auf die Bühne gebracht. Wir bieten einen erlebnisorientierten Kabarett-Rundgang für Kinder im Vorschulalter an, der regelmäßig genutzt wird, und wir haben die „Besondere Deutschstunde“ über Kabarett und Satire als Angebot für Schulklassen. Unsere „Striezelmarktwirtschaft“ ist als Jahresendabrechnung mit der Bundes- und Kommunalpolitik ein jährlicher Höhepunkt. Zurzeit verjüngen wir unser Kabarett durch Autoren, Musiker und Darsteller.

Hallo Dresden: Welche Vorteile hat die eigene Bühne?
Manfred Breschke: Wir können machen, was wir für richtig halten, das heißt wir arbeiten unzensiert.
Thomas Schuch: Man macht das, was man selber für richtig hält, und ist nicht, wie im schlimmsten Fall, Sprachrohr fremder Gedanken, die man eigentlich nicht teilt.

Eingang bei Nacht

Das Kabarett ist als Teil sächsischer Satire-Tradition nicht mehr aus Dresden wegzudenken.

 

Hallo Dresden: Immer wieder kommen Gäste auf die Bühne Eures Hauses: Was macht den Reiz von Gastspielen im eigenen Haus aus?
Manfred Breschke: Gastspiele gehören zum Profil unseres Hauses. Wir wollen Kabarettistinnen und Kabarettisten präsentieren, die am Anfang ihrer Bühnenkarriere stehen, sowie bekannte Kolleginnen und Kollegen der Kabarett- und Kleinkunst-Szene für das Dresdner Publikum leibhaftig erlebbar machen.
Thomas Schuch: Wir sind ja eine Art Stadttheater – also Vielfalt ist wichtig. Außerdem sind Gäste auch immer Inspiration für uns.

Hallo Dresden: Regelmäßig seid Ihr an der Seite von anderen Partnern zu sehen: Sind das auch „Gastspiele“ oder sucht Ihr nach weiteren festen Ensemble-Mitgliedern?
Manfred Breschke: Als Kabarett arbeiten wir wie ein Stadttheater, haben also einen Spielplan mit aktuell zwölf verschiedenen Produktionen. Für diese Produktionen engagieren wir Gastkünstler und Autoren.
Thomas Schuch: Und wir sind glücklich und dankbar, dass sie mit uns für recht bescheidene Konditionen zusammenarbeiten.

Hallo Dresden: Was macht Breschke & Schuch aus?
Manfred Breschke: Politische Satire, die auf gründlichen Recherchen beruht und mit der wir uns auch kommunalpolitisch einmischen, die wir mit Parodie, Gesang und Schauspiel durch volkstümliche Figuren aus der Erfahrungswelt des Publikums auf der Bühne darstellen.
Thomas Schuch: Neben dem Theater und unseren Stücken aber auch unsere Mitstreiter, die das Büro und den Kartenverkauf managen und unsere Techniker. Das alles ist unser Haus.

 

Hallo Dresden: Ihr seid selbst Preisträger eines Kabarett-Preises, habt zudem im Jahr 2014 den Dresdner-Satire-Preis ins Leben gerufen. In diesem Jahr wurde er zum dritten Mal verliehen. Wozu braucht es solche Preise?
Manfred Breschke: Dresden hat als Kunst- und Kulturstadt einen besonderen Ruf in der Welt. Wir denken, dass ein Satire-Preis, der sich mit Dresden verbindet, eine besondere Auszeichnung ist und einen besonderen Klang hat. Das gegenwärtige politische Klima in der Stadt fordert geradezu eine satirische Aufarbeitung heraus. Unser Dresdner Satire-Preis soll die Menschen auf die Kraft und die Wirkung politischer Satire aufmerksam machen und ihre Lust am politischen Denken herausfordern. Die Zuschauer können am Abend durch die eigene Wahl in direkter Demokratie neben dem Jury-Preis ihren Träger des Publikumspreises wählen.
Thomas Schuch: Zudem ist eine Preisverleihung immer ein Treffpunkt für Künstler und natürlich auch eine unglaubliche Bereicherung: für das Genre, für unser Haus und für das Publikum!

Hallo Dresden: In Euren Stücken greift Ihr die großen Themen der Menschheit auf und macht diese, wo es geht, am Dresdner Beispiel deutlich. Welche Themen funktionieren für Dresden bzw. Sachsen besonders gut und was lässt sich hier nicht umsetzen?
Thomas Schuch: Es funktioniert alles und nichts. Letztlich ist immer die Frage: Wie wird es umgesetzt? Es gibt bei Zuschauern ganz unterschiedliche Befindlichkeiten. Wenn einerseits die Erwartung ans Kabarett eigentlich die ist, dass es in Fettnäpfe treten soll, ist andererseits immer die Frage, wer im Fettnapf drin sitzt.
Manfred Breschke: Wenn ein Thema so umgesetzt wird, dass es die Kabarett-Besucher mit ihren eigenen Erfahrungen überprüfen können und das Thema sie dann auch noch persönlich berührt, funktioniert es nicht nur in Dresden und Sachsen, sondern überall und besonders dann, wenn das Thema und auch die kabarettistische Umsetzung aus Dresden kommen.

Hallo Dresden: Wonach entscheidet Ihr, welche Themen Ihr umsetzen wollt: Ist es der Publikumsgeschmack, sind es Themen, die „in der Luft liegen“ oder bestimmt Ihr, welche Themen eine Bühne verdient haben?
Thomas Schuch: Wir gehen immer auf Spurensuche. Wir versuchen in unseren Stücken zu verstehen, was eigentlich geschieht. Was steckt hinter den aktuellen Themen? Wir möchten unsere Gäste dazu einladen, mit uns diese Entdeckungsreise zu machen. Wir geben uns nicht nur global. Wir zerren auch einen Biedenkopf, Milbradt oder Tillich auf die Bühne.

Kann Verkehr denn Sünde sein

Das Bühnenbild ist zurückhaltend effektvoll: Manfred Breschke und Thomas Schuch schlüpfen in die verschiedensten Rollen – und konzentrieren sich auf das Wesentliche.

 

Hallo Dresden: Wer zu Euch in ein Stück kommt, muss demnach ein bisschen Ahnung von Dresdner Lokalpolitik mitbringen?
Thomas Schuch: Wenn es um lokale Themen geht, wurden wir schon oft ermutigt, durch Leute aus den alten Bundesländern, wenn sie sagten: „Die Vorgänge sehen bei uns auch so aus. Nur die Namen sind eben andere.“

Hallo Dresden: Was sind die Highlights der aktuellen Spielzeit?
Manfred Breschke: Selbstverständlich unsere neuen Produktionen „Baden geh‘n“ und „Wir werden‘s euch besorgen“, sowie aus dem Spielplan: „…und vergib uns unsere Schulden“, auch natürlich unser Dauerbrenner „Kann Verkehr denn Sünde sein?“.

Hallo Dresden: Wenngleich die aktuelle Spielzeit gerade erst läuft: Welches sind die Themen, mit denen Ihr künftig auf der Bühne stehen werdet?
Thomas Schuch: Wer die Zeitung aufschlägt, oder sich wo auch immer informiert, wird viele Themen bei uns wiederentdecken, allerdings mitunter ganz anders.
Manfred Breschke: Wir sind genau wie unser Publikum Konsumenten und Verarbeiter des alltäglichen Irrsinns.

 


Kontakt:
Dresdner Kabarett Breschke & Schuch gGmbH
Wettiner Platz 10
(Eingang Jahnstraße)
01067 Dresden
Telefon: 0351 4904009
E-Mail: ticket@kabarett-breschke-schuch.de
http://kabarett-breschke-schuch.de

Fotos: Kabarett Breschke & Schuch

 

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