Prohlis-Blog zum Glücklichwerden

Unter dem Motto „Platten, Liebe, Prohlis, Blog“ wagt sich Stephan Gäbel mit Stift und Papier ins Internet, um über seinen Wohnort zu berichten. Das hat uns von Hallo Dresden interessiert.

Hallo Dresden: Was steht hinter der Idee, einen Internetblog zu Prohlis zu betreiben – und dann auch noch einen mit Zeichnungen und nicht mit Worten.

Stephan Gäbel: Ich wohne seit 2011 in Prohlis am Albert-Wolf-Platz und stamme aus einer relativ heilen Welt. Gerade die Ecke von Prohlis, wo ich wohne, scheint mir manchmal ein etwas rauer Ort zu sein. Es wird häufiger herumgebrüllt als an den Orten, an denen ich vorher gewohnt habe. Erwachsene schreien. Kinder tun es ihnen nach. Zudem kommt es vor, dass nachts Streitigkeiten vor der Haustür oder an der Bushaltestelle mit Schlägen und Tritten ausgetragen werden. Irgendwann dachte ich mir: „Prohlis ist nicht nur rau, aber die Leisen und Netten nimmt man nicht so stark wahr“. Und so habe ich beschlossen, einerseits Prohlis von der sensiblen Seite zu zeigen, andererseits auch Bilder zu malen, die zum Nachdenken übers Zusammenleben anregen sollen. Ich glaube nämlich, dass Menschen glücklich sind, wenn sie in guten Beziehungen leben. Das ist auch der Grund, weswegen „Liebe“ im Slogan steckt.

Portrait_Albert-Wolf-Platz_c.Stephan.Gäbel

Für Stephan Gäbel gibt es in Dresden-Prohlis viele Möglichkeiten, einander zu begegenen.

 

Hallo Dresden: …und die Zeichnungen…
Stephan Gäbel: Das mit dem Zeichnen lässt sich ganz kurz erklären: Ich zeichne, weil ich selber gerne Comics anschaue.

Hallo Dresden: Dann ins Internet zu gehen, braucht ja auch ein bisschen Know-how. Wie fing das an mit dem Bloggen?
Stephan Gäbel: Ich habe von 2009 bis 2011 in einem Dorf mit rund 500 Einwohnern eine Hochschule besucht, die von einer besonderen Sorte Christen betrieben wird. Ich fand die Mischung von Dorfleben, Hochschulbetrieb, Abgeschiedenheit im Wald und hohem Anteil internationaler Studenten sehr faszinierend. Und da dachte ich, könnte ich an meinem Staunen auch andere teilhaben lassen. So bin ich zu meinem ersten Blog (herrgibgab.blogspot.de) gekommen.

Hallo Dresden: Allzu häufig veröffentlichst Du indes keine Beiträge auf dem Blog.
Stephan Gäbel: Ideen sprießen eigentlich ständig. Um etwas zu veröffentlichen, brauche ich aber etwas Zeit und die ist bei mir gerade sehr knapp. Denn es dauert schon ein paar Stunden, um Skizzen anzufertigen, sie anschließend sauber zu zeichnen, die Bilder dann einzuscannen und sie am Computer nachzubearbeiten und mit Text zu versehen.

Hallo Dresden: Beruflich bist du als Pastor unterwegs. Wie wichtig ist es dazu, sich mit neuen Medien auszukennen?
Stephan Gäbel: Ich habe als Pastor viel mit Jugendlichen zu tun. Gerade wenn es um Absprachen und Veranstaltungswerbung geht, komme ich da nicht um neue Medien herum. Ich probiere auch noch mit meinem anderen Blog (stephan-gaebel.de) und einem Podcast herum, aber das ist auch ein Experiment, inwieweit davon Leser und Hörer profitieren.

Angst. von Stephan Gäbel (prohlis.net)

Hallo Dresden: In Beitrag #2 deines Blogs thematisierst Du das Anderssein: Ist Prohlis in dieser Hinsicht ein „Brennpunkt“?
Stephan Gäbel: So wie ich mein Haus erlebe, ist Prohlis ziemlich bunt. Bei mir leben in einem Hochhaus mehrere unterschiedliche Generationen und im Fahrstuhl grüßen Menschen, die unterschiedliche Muttersprachen sprechen. Als Brennpunkt würde ich Prohlis deswegen nicht bezeichnen. Der Anstoß zu Beitrag #2 kam durch die unmittelbare Nähe von einer Flüchtlingsunterkunft und dem Wohnturm, in dem ich lebe. Ich hab mich selbst gefragt, was das für Menschen sind und welche Geschichten sie mit sich tragen, die da in direkte Nachbarschaft 15 Stockwerke tiefer einziehen. Und als ich ein Willkommensfest in der Unterkunft besucht habe, fragten mich die Leute dort, was das für Menschen sind, die neben mir in den Türmen wohnen. Das war etwas kurios. Eigentlich müsste man sich nur mal besuchen gehen. Was uns manchmal hindert, ist aber die Angst vor dem Anderen.

Hallo Dresden: Was vermisst Du am Leben im Stadtteil/Wohnumfeld Prohlis?
Stephan Gäbel: Warum fragst Du nicht, was ich an Prohlis mag? Ich möchte zuerst mal sagen, was ich hier mag.

Hallo Dresden: Selbstverständlich, gern!
Stephan Gäbel: Ich mag die sehr gute Infrastrukturanbindung: Mit dem Auto bin ich in zehn Minuten auf der Autobahn. Ich kann zur S-Bahnstation laufen und von dort bin ich in sieben Minuten im Stadtzentrum und dreißig Minuten in der Sächsischen Schweiz. Zudem kann ich von meinem Balkon die Festung Königstein sehen und auch bis ins Erzgebirge blicken.
Nun zur Wunschliste: Ich wünsche mir manchmal eine buntere soziale Mischung. In meinem Hochhaus sind die Wohnungen sehr klein. Schön wäre, wenn hier mehr Studenten in WGs wohnen würden. Und auch ein paar Studenten mit Kindern und Kinderwagen wären super. Und wenn dann einige der Studenten zum Ausgehen nicht in die Neustadt fahren würden, sondern hier Bars, Kneipen und Clubs besuchen würden, täte das aus meiner Sicht dem allgemeinen Lebensgefühl in Prohlis gut.

04Liebeslied_c.Stephan.Gäbel

Hallo Dresden: Du hast geplant, das Projekt nur bis August 2016, also insgesamt etwas mehr als ein halbes Jahr, laufen zu lassen. Bleibt es dabei?
Stephan Gäbel: Alles eine Frage der Zeit. Nach dem August wird die Adresse auf jeden Fall noch verfügbar sein. Aber ob ich die Seite weiter mit Beiträgen befülle, weiß ich noch nicht.


Link:
www.prohlis.net

 

Alle Bilder & Fotos: (c) Stephan Gäbel

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