„Entwicklungen werden wir uns stellen und entsprechende Lösungen anbieten“

Dresden ist berühmt für seine Backwaren. Einen großen Anteil daran hat die Bäckerei „Dr. Quendt“ in Coschütz. Ob Christstollen, Dinkelchen, Oblaten, Bemmchen oder Russisch Brot – das Unternehmen knüpft an historische Traditionen an und setzt sich seit jeher für hohe Qualität der Produkte ein. Hallo Dresden im Gespräch mit Mitinhaber Matthias Quendt.

Hallo Dresden: Seit 2014 gehört „Dr. Quendt“ zur Lambertz Unternehmensgruppe. Was hat sich durch die Übernahme verändert?

Matthias Quendt hat

Matthias Quendt hat „Dr. Quendt“ nach der Wende zusammen mit seinem Vater zu einem erfolgreichen Familienunternehmen gemacht. Heute ist er Mitinhaber, Mitglied im Beirat und als Berater tätig. Außerdem ist er gemeinsam mit seiner Frau Heike Geschäftsführender Gesellschafter der am 29.10.2015 gegründeten „Quendt Innovation GbR“.

Matthias Quendt: Im Sommer 2014 übernahm die Lambertz-Gruppe eine Mehrheitsbeteiligung an Dr. Quendt. Mit Dr. Quendt und den Tochtergesellschaften der Gruppe ist Lambertz heute in den drei klassischen Gebäck-Herkunftsregionen und „Weihnachtsmetropolen“ beheimatet: Dresdner Stollen, Aachener Printen und Nürnberger Lebkuchen.

Hallo Dresden: Was bedeutet das für die Entwicklung am Standort Dresden?

Matthias Quendt: Mit der Lambertz-Gruppe wurden der Dresdner Standort, die Dresdner Arbeitsplätze, die Dresdner Marke „Dr. Quendt“ und Investitionen, beispielsweise in eine Dominoanlage, gesichert. Die Dominoanlage wird 2016 so umgebaut, dass sich die Kapazität von Dr. Quendt verdoppelt.

Hallo Dresden: Das „Weihnachtsgeschäft“ ist ein wichtiges Standbein: Davon abgesehen: Konnte das Ziel einer Auslastung über das Saisongeschäft hinaus und für „Mitte 2015 ein ausgeglichenes Ergebnis“ erreicht werden?

Matthias Quendt: Nein, zunächst wird das Saisongeschäft forciert. Dadurch kann ein positives Ergebnis 2015 erzielt werden. Innovationen müssen jetzt angeschoben werden, damit eine ganzjährige Auslastung stattfindet.

Hallo Dresden: Gehören auch Bio-Produkte zu diesen Innovationen? Einige Produkte, darunter der Christstollen und Russisch Brot, sind ja schon in Bio-Qualität erhältlich.

Matthias Quendt: Die Nachfrage nach Bio-Produkten wächst ständig. So ist der Bio-Trend nur ein Beispiel für die Entwicklung unserer Gesellschaft. Hinzu kommen spezielle Nachfragen nach veganen, laktose- oder glutenfreien Gebäcken. Auch spielt die regionale Herkunft eine zunehmende Rolle. Diesen Entwicklungen wird sich Dr. Quendt stellen und entsprechende Lösungen anbieten.

Valetina Beck

Hallo Dresden: Die Wurzeln des Unternehmens reichen 140 Jahre zurück. Und Lösungen gab es immer…

Matthias Quendt: Ja, es gab immer wieder Anpassungen: Das begann schon im Jahr 1876, eben vor 140 Jahren. Damals gründeten ein Habsburger Bäcker, Wenzel Hromadka Eidam, und ein Dresdner Kaufmann, Heinrich Vollmann, die „Original Wiener Waffel-, Hohlrippen-, Bisquit- etc. Special-Fabrik“ auf der Kaitzer Straße 96 in Dresden-Plauen. Damit gründeten sie eines jener Unternehmen, die Dresden am Ende des 19. Jahrhunderts zum Zentrum der deutschen Süßwarenherstellung machten. Hervorgerufen wurde dies durch die zentrale Lage zwischen den Großreichen der Habsburger und der Preußen. Hinzu kam, dass der sächsische Hof seit dem Ausgang des Mittelalters einer der führenden Höfe von Deutschland war, wie die Kurwürde der sächsischen Herzöge zeigt. So förderte der sächsische Hof neben der Wissenschaft und der Reformation unter anderem auch das Bäcker- und Konditorenhandwerk. Dafür sprechen der Dresdner Stollen von 1474, der Aufbau einer der ersten deutschen Zuckersiedereien (1817), die Erfindung der Milchschokolade von 1838, das Russisch Brot von 1845 oder die Dresdner Oblatenbäckerei von 1870. – Dies zeigt, wie verwurzelt unser Unternehmen mit der Dresdner Kultur ist.

Hallo Dresden: Dieser Tradition folgend, bietet Dr. Quendt heute eine große Bandbreite an Backwaren an.

Matthias Quendt: Das Dr. Quendt Sortiment umfasst die Kategorien „Eiweißschaumgebäck“ mit Russisch Brot und Dinkelchen, „Waffeln“ mit Oblaten, „feine Backwaren“ mit Dresdner Christstollen®, „Knabbergebäcke“ mit Bemmchen und „Gebäckpralinen“ mit Dominosteinen und Konfekten.

Claudia Henker

Hallo Dresden: Während die Herkunft des Russisch Brot nicht eindeutig geklärt werden kann, so ist doch belegt, wann dieses Gebäck nach Dresden kam.

Matthias Quendt: In Dresden eröffnete der Bäcker Ferdinand Friedrich Wilhelm Hanke 1845 eine „Deutsche & Russische Bäckerei“, in der Deutschlands erstes Russisch Brot gebacken wurde. Die industrielle Herstellung von Russisch Brot hat in Dresden Tradition seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Erster industrieller Hersteller war ab 1898 das „Backwaren-Unternehmen Gebr. Hörmann“ und in deren Nachfolge der „VEB Dauerbackwaren Dresden“. Nach Übergang der Markenrechte wird heute „Dresdner Russisch Brot“ von der Dr. Quendt GmbH & Co. KG gefertigt. Deren Gründer Hartmut Quendt, mein Vater, hatte für den VEB Dauerbackwaren eine Anlage zur Herstellung von Russisch Brot entwickelt und übernahm 1991 die Produktion. Dr. Hartmut Quendt bekam 1985 durch den „Staatsauftrag zur Bedarfsdeckung der Bevölkerung“ die Anweisung seine Russisch Brot Herstellung zu automatisieren. Zu diesem Zeitpunkt war Russisch Brot „Bückware“ in der DDR. 1989 hatte Dr. Quendt eine Anlage zur kontinuierlichen Fertigung von Russisch Brot in der Kaitzer Straße aufgebaut und erprobt.

Hallo Dresden: Doch mit der politischen Neugliederung Deutschland 1990 war dieser Staatsauftrag obsolet. Und dennoch: Dr. Hartmut Quendt baute das Unternehmen aus alten DDR-Fundamenten zu einem Familienbetrieb auf. Wie gelang die Entwicklung zum modernen Industrieunternehmen?

Matthias Quendt: Das Ende der DDR zeichnete sich aus durch marode und veraltete Betriebe, fehlende Vermarktungskompetenz, fehlende Kenntnisse von marktwirtschaftlich-kaufmännischen Prozessen, fehlendes mittelständiges Unternehmertum und wenig Führungskompetenz in der freien Marktwirtschaft. Demgegenüber standen 1990 der Wille, eine neue privatwirtschaftliche Gesellschaft zu gestalten, hohe Belastbarkeit, Leidenschaft für Technik sowie hohe Improvisations- und Lernfreude aus dem Wenigen Etwas zu machen. Und mein Vater glaubte an seine Erfindung zur automatisierten Herstellung und an seine Fähigkeit, unternehmerisch aktiv zu sein. So nahm er private Schulden von 1,5 Millionen Deutsche Mark auf und startete in die Marktwirtschaft. Ab 1995 unterstützte ich ihn in der Geschäftsführung beim Aufbau moderner Vertriebs- und Marketingstrukturen. Ab 2002 übernahm ich Stück für Stück das Unternehmen und baute es zu einem modernen Unternehmen aus. Heute verfügt „Dr. Quendt“ mit rund 200 Mitarbeitern und 20 Millionen Euro Jahresumsatz über moderne, leistungsfähige Strukturen, zeitgemäße Backanlagen für die Herstellung von Eiweißschaumgebäcken und Dresdner Stollen®, fortschrittliche betriebswirtschaftliche Steuerungssysteme (inklusive modernem Reporting System) und einer IFS-Zertifizierung auf höchstem Niveau.

Rosi Hösel

Hallo Dresden: Trotz Zugehörigkeit zur Lambertz-Gruppe: Hat „Dr. Quendt“ eine eigene Firmenphilosophie?

Matthias Quendt: Durchaus! Dr. Quendt steht für Zuversicht und den Willen, das Leben – persönlich und als Gemeinschaft – nach bestem Können selbst zu gestalten und für Heiterkeit, die Kraft und Ausdauer spendet. Dr. Quendt ist wertorientiert, hat die Freude und das Wohlergehen der Menschen im Blick und verpflichtet sich zu weitsichtigem Handeln. Dr. Quendt liebt das Schöne und Genussvolle, die den Ausgleich für Anspannung und Mühe schaffen. Komplementär zu dieser heiteren Grundstimmung steht die Fähigkeit von Dr. Quendt, sich auf Ziele zu fokussieren, Schwierigkeiten analytisch zu klären, Aufgaben rational anzugehen und sie mit Disziplin und Ausdauer zu lösen. Zum freundlichen Temperament, das offenkundig ist, kommt eine abgeklärte und fast strenge Haltung, die erst auf den zweiten Blick ersichtlich ist.


Werksverkauf & Besucherzentrum

Am Produktionsstandort gibt es neben einem Café-Betrieb auch einen regelmäßigen Werksverkauf. Hier bietet „Dr. Quendt“ neben den Sortimentsprodukten auch Präsente und neue Produktkreationen zum Testen; Ware mit kleinen Schönheitsfehlern gibt’s zum Vorteilspreis. Für Reisegruppen gibt es zudem ein Programm mit Kaffee, hauseigenem Gebäck, einer Filmvorführung und Museumsbesuch. Alle „Dr. Quendt“-Produkte gibt es zudem auch im Marken-Shop in der Altstadt.

Firmensitz & Café Weitblick
Dr. Quendt GmbH & Co. KG
Offenburger Straße 1, 01189 Dresden
(Gewerbegebiet Coschütz/ Gittersee)
Telefon: 0351 436160
http://www.dr-quendt.de

Marken-Geschäft
Quendteria
Altmarkt-Galerie Dresden
Webergasse 1, 01067 Dresden
Telefon: 0351 20615472

alle Fotos: (c) Dr. Quendt GmbH & Co. KG

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s