Hans-Peter Drescher präsentiert seine Motive in unterschiedlichen Varianten: auf Leinwand, gerahmt, als Postkarte etc.

„Im schlimmsten Fall gehe ich ohne ein Bild nach Hause“

Manchmal schreibt das Leben die verrücktesten Geschichten. Hallo Dresden hat sich mit dem freiberuflichem Künstler Hans-Peter Drescher getroffen, um eine dieser Geschichten einzufangen. Denn der in Dresden geborene Fotograf ist auf Umwegen zum Künstler geworden; Seine Leidenschaft für die Fotografie hat er erst vor gar nicht allzu langer Zeit entdeckt.

Hallo Dresden: Hallo Hans. Erzähl uns doch einmal, wie Du zum Fotografieren gekommen bist?

Hans-Peter Drescher: Das ist etwas kompliziert. Nach meiner Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann hatte ich verschiedene Jobs, in denen ich nie wirklich zufrieden war. Also beschloss ich 2011 alles stehen und liegen zu lassen, und habe mit meiner Freundin eine 16-monatige Weltreise angetreten. Wir haben damals alles abgebrochen, wollten etwas Neues kennenlernen, neue Erkenntnisse sammeln. Die ersten vier Monate haben wir gelebt wie Touristen: sind von einem Ort zum Anderen gerast, um möglichst viel zu sehen, bis wir bemerkt haben, dass uns nichts treibt, wir uns Zeit nehmen können. Während dieser Zeit habe ich viel Energie gesammelt, habe gelernt, die Dinge mit Ruhe und Geduld anzugehen.

Hallo Dresden: Bei deiner Reise um die Welt hast Du also die ersten Erfahrungen im Fotografieren gesammelt?

Hans-Peter Drescher: Nein, aber ich habe viel über mich gelernt, was im Nachhinein sehr hilfreich war. Das Fotografieren habe ich erst für mich entdeckt, als ich wieder zurückgekommen bin. Nach meiner Reise habe ich in einem Souvenirshop an der Münzgasse in Dresden gearbeitet. Wie es der Zufall so wollte, hatten wir eines Tages dort die Idee, die Motive für die Postkarten selbst zu fotografieren. Dabei habe ich mich bereit erklärt, die Bilder zu machen. Das war Anfang 2013.

Hallo Dresden: Und seitdem fasziniert Dich die Kunst des Fotografierens.

Hans-Peter Drescher: Ja.

Hallo Dresden: Wie ging es dann weiter?

Hans-Peter Drescher: Im Laufe der Zeit habe ich begonnen neben Postkarten auch kleinere Bilder, Kalender sowie große Leinwände von meinen Motiven zu erstellen. Seit August 2014 bin ich nun freiberuflicher Künstler. Zunächst rieten mir viele von diesem Schritt ab, da es sehr schwer werden würde, so Geld zu verdienen. Ich habe jedoch nie einen finanziellen Anreiz darin gesehen. Für mich ist es das Schönste der Welt, mit der Kamera unterwegs zu sein. Daher sehe ich die Fotografie nicht als meine Arbeit an, sondern bin froh, meiner Leidenschaft nachkommen zu können und daran sehr viel Spaß zu haben.

Hallo Dresden: Aber so ganz ohne Geld kann man dann doch nicht auskommen, oder?

Hans-Peter Drescher: Das stimmt natürlich. Mit den Postkarten, die mittlerweile in zwölf verschiedenen Souvenirshops in Dresden sowie in einigen Dresdner Museen erhältlich sind, verdiene ich mir einen soliden finanziellen Grundstock. Jedoch ist dies für mich auch heute noch keine Selbstverständlichkeit. Ich freue mich über jeden einzelnen Verkauf, es macht mich stolz, zu sehen, dass man meine Kunst schätzt.

Hans-Peter Drescher mit Postkarten

Damit hat alles angefangen: Warum die Postkartenmotive für den Laden nicht selbst fotografieren? Heute füllen seine eigenen Postkarten die Verkaufsständer.

Hallo Dresden: Neben Deinen Postkarten werden auch zunehmend Bilder und Leinwände angefragt. Was macht Deine Werke so besonders?

Hans-Peter Drescher: „Besonders“ ist ein großes Wort. Ich denke jede Kunst ist auf ihre Art einzigartig. Ich selbst lege viel Wert auf Natürlichkeit, meine Bilder sind maximal dezent digital nachbearbeitet. Retusche findet man in meinen Werken nicht. Außerdem ist bei mir alles „hansmade“, das heißt vom Design der gestanzten Postkarten bis hin zum Rahmen für kleinere Bilder und Leinwände – alles von mir selbst gemacht. Außer der Druck, den übernimmt in Feinabstimmung eine professionelle Druckerei.

Hallo Dresden: Verstehe ich das richtig: Du baust die Rahmen Deiner Bilder selbst zusammen, bemalst und signierst diese sogar handschriftlich? Ebenso spannst Du die Bilder selbst auf den Rahmen und befestigst diese? Das bedeutet aber auch viel Aufwand für jedes einzelne Stück.

Hans-Peter Drescher: Ich sehe das nicht als Aufwand an. Ich habe den eigenen Anspruch, das, was ich mache, so gut wie möglich zu machen. Viele Rahmen haben Standardgrößen. Ich wollte jedoch unterschiedliche Größen für meine Werke. Nach meinen Erfahrungen sagen dir die meisten Leute heutzutage entweder, dass etwas nicht geht, oder es sehr teuer wird, wenn es gehen soll. Also habe ich beschlossen, die Rahmen eben selbst zusammen zu bauen und zu bemalen, da niemand Rahmen in den Größen und Farben, die ich mir vorgestellt habe, anfertigen konnte. So ähnlich ist es auch bei meiner eigenen Homepage. Die habe ich selbst erstellt, indem ich mir Programmier-Kenntnisse angeeignet habe, weil niemand meine Vorstellungen umsetzen konnte. Viele treibt diese perfektionistische Ader an mir in den Wahnsinn [lacht]. Aber so bin ich nun einmal. Es muss einem selbst gefallen was man macht, dann stehen auch andere dahinter. Wenn man aber nicht selbst vollkommen hinter dem steht, was man tut, dann kann man es auch nicht von anderen erwarten.

Hallo Dresden: Würdest Du sagen, dass Du da sehr selbstkritisch bist?

Hans-Peter Drescher: Ja, definitiv! Viele machen etwas, worin sie gut sind. Aber sie brennen nicht dafür. An dem Punkt, an dem man für etwas brennt, ist Selbstkritik ein wichtiger Antrieb. Einmal habe ich einen Rahmen komplett neu angefertigt, weil ich mit der Unterschrift auf dem alten Rahmen nicht zufrieden war. Das wäre sicher keinem aufgefallen, aber ich hätte einfach nicht damit leben können, diesen Rahmen so zu verwenden.

Hallo Dresden: Wie wichtig ist Dir die Meinung von Freunden und Bekannten?

Hans-Peter Drescher: Sehr wichtig, vor allem wenn es ehrliche Kritik ist. Meine Freundin malt und zeichnet selbst. Ich frage sie auch immer nach Ihrer Meinung, wenn ich ein Bild bearbeite, denn andere Meinungen helfen mir weiter, beeinflussen jedoch nicht die Art und Weise, wie ich Kunst mache. Ich kann und möchte auch keine Kunst nach Vorgabe machen, denn dann wäre es nicht mein Werk, sondern das Werk, das ein anderer von mir verlangt.

Hallo Dresden: Das heißt auch, dass Du keine Motive fotografierst, die sich andere von Dir wünschen?

Hans-Peter Drescher: Stimmt.

Hallo Dresden: Wie entstehen Deine Werke? Welche Motive reizen Dich besonders?

Hans-Peter Drescher: Meine Motive wähle ich teilweise zufällig aus, teilweise plane ich diese schon länger. In letzter Zeit konzentriere ich mich stark auf Naturmotive, Wälder, Schluchten oder Gewässer. Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt, speichere Orte in meinem Kopf ab, die mir besonders gefallen haben oder zu denen ich eine Verbindung habe. Oft verbringe ich dann viel Zeit damit, den Ort zu erkunden und die Umgebung wahrzunehmen. Ich muss zum Beispiel wissen, wo die Sonne auf- und untergeht. Dann warte ich auf den Tag oder die Nacht, an dem ich meine Ausrüstung schnappe und mich auf die Jagd nach dem richtigen Moment mache.

Hans-Peter Drescher Motivvarianten.

Hans-Peter Drescher präsentiert seine Motive in unterschiedlichen Varianten: auf Leinwand, gerahmt, als Postkarte etc.

Hallo Dresden: Und was passiert, wenn dieser Moment nicht eintritt?

Hans-Peter Drescher: Dann gehe ich im schlimmsten Fall ohne ein Bild nach Hause und komme an einem anderen Tag wieder. Es ist mir wichtig, dass meine Motive eine Geschichte erzählen. Ich will nicht aus mehreren Bildern das Schönste heraussuchen müssen, sondern in einem Bild den schönsten Moment erfassen, auch wenn ich dafür mehrere Anläufe und viel Geduld brauche.

Hallo Dresden: Die Fähigkeit, geduldig zu sein, hast Du von Deinen Erfahrungen auf Deiner Weltreise mitgebracht. Welche Geschichten hättest Du damals gern in Bildern festgehalten?

Hans-Peter Drescher: Ich hätte damals gern alles festgehalten!

Hallo Dresden: Und was für Geschichten erzählen Deine heutigen Bilder?

Hans-Peter Drescher: Jedes meiner aktuellen Bilder erzählt eine Geschichte, die ich mit ihnen verbinde und die mich beeinflusst hat. Ich möchte den Betrachter teilhaben lassen an dem Prozess des Fotografierens, an der Zeit, in der ich auf den passenden Moment warte und mir zum Beispiel Dinge passieren, die ich selbst nicht erwartet habe. Einmal lag ich stundenlang geduldig im Gras mit meiner Ausrüstung, als plötzlich ein Reh neben mir stand und ich mich erschreckt habe. Solche Sachen passieren und fließen in den Entstehungsprozess des Motives mit ein.

Hallo Dresden: Du hast eben Deine Ausrüstung schon angesprochen. Was gehört alles dazu?

Hans-Peter Drescher: Zu meiner Ausrüstung gehören natürlich eine Kamera, mehrere Objektive mit unterschiedlichen Brennweiten, ein Stativ, Speicherkarten und Akkus. Damit kann ich in der Regel alles abdecken, was meinen Stil ausmacht. Ach, und etwas Verpflegung ist natürlich auch wichtig.

Hallo Dresden: Was macht Deinen Fotografie-Stil aus? Gibt es bestimmte Techniken, die Du bewusst anwendest?

Hans-Peter Drescher vor Dresden Souvenirs

Heute steht er nicht mehr hinter der Ladentheke, sondern er geht selbst auf die Suche nach den schönsten Ansichten Dresdens – und nach besonderen Motiven.

Hans-Peter Drescher: Das lässt sich nicht genau sagen. Ich habe keine Techniken revolutioniert oder weiterentwickelt. Ich habe mir alles selbst angeeignet, indem ich nächtelang in Büchern gewälzt und zunächst viel ausprobiert habe. Zu Beginn habe ich auch versucht, bestimmte Motive nachzuahmen. Schnell habe ich jedoch gemerkt, dass das nicht sinnvoll ist. Wichtig ist es, seinen eigenen Stil zu finden und diesen immer ein Stück weiterzuentwickeln. Am Ende soll jedes Bild so gedruckt werden, wie ich es beim Fotografieren wahrgenommen habe.

Hallo Dresden: Nun musst Du bald vielleicht aufpassen, dass man nicht versucht, Dich nachzuahmen. Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Hans-Peter Drescher: Ich habe nicht vor, die Werbetrommel zu rühren und mit meinem Namen große Bekanntschaft zu erreichen. Ich möchte, dass die Menschen auf meine Bilder aufmerksam werden und sich dafür interessieren. Schön wäre es, wenn ich in Zukunft große Galeriebilder in einer Art und Weise erstellen kann, wie es sie noch nicht gibt. Obwohl man meint, nahezu alles in der Fotografie schon gesehen zu haben, gibt es trotzdem immer noch unendliche Möglichkeiten, die Dinge anders zu machen. Das ist das Spannende an dieser Kunst. Ich möchte Motive ablichten, die einzigartig und nicht im Internet bereits mehrfach zu finden sind. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt. Hätte mir vor zwei Jahren jemand gesagt, dass ich irgendwann einmal freiberuflicher Künstler bin, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Es gibt viele Dinge, die wir nicht beeinflussen können, so ist das Leben nun einmal. Wir müssen manchmal geduldig sein und den richtigen Moment einfangen.


Kontakt:
Hans-Peter Drescher
hans fine art photography
http://www.hans-fineart.com
photo@hans-fineart.com

Ausstellungsstücke zu finden im:
Souvenirshop „Altes Dresden“
An der Frauenkirche 19, 01067 Dresden

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