Luftaufnahme Friedrichstadt (um 1930).

Seide, Mehl und Schreibmaschinen

Hallo Dresden hat sich auf die Spuren der Wirtschaftsgeschichte einzelner Stadtteile begeben. Dieser vierte Teil unserer Reihe beschäftigt sich mit der Friedrichstadt – von wo einst die Dresdner ihre Nahrungsmittel bezogen, die sich im 19. Jahrhundert stark wandelte und wo heute noch Spuren dieser wechselvollen Geschichte zu finden sind. 

Die Stadt Dresden besteht bereits seit über 800 Jahren. Auf eine ähnlich lange Siedlungsgeschichte blickt der heutige Stadtteil Friedrichstadt zurück; erwähnt wurde er bereits 1206 als Dorf „Ostrov“. Im Jahr 1560 gründete Kurfürst August das „Vorwerk Ostra“, um die Residenzstadt Dresden mit Getreide und Fleisch zu versorgen. 1670 gab Kurfürst Johann Georg II. schließlich die Anweisung Gewerbe in der Friedrichstadt anzusiedeln. So entstanden hier erste Handwerksbetriebe sowie eine Seidenmanufaktur.

Berliner Bahnhof in Dresden-Friedrichstadt. In den Jahren 1875 bis 1894 war einer von Dresdens zentralen Verkehrsknotenpunkten.

Berliner Bahnhof in Dresden-Friedrichstadt. In den Jahren 1875 bis 1894 war einer von Dresdens zentralen Verkehrsknotenpunkten.

Zwei Jahrhunderte später erreichte die Industrialisierung schließlich auch die Friedrichstadt: Eine Vielzahl an Großbetrieben entstand hier, der Dresdner Stadtrat erklärte die Friedrichstadt 1878 offiziell zum Fabrikbezirk. Grund dafür war die strategisch geschickte Lage des Stadtteils: Außerhalb des historischen Kerns, aber nah an der Elbe und mit günstiger Anbindung an die Berliner Privatbahn. Durch die Umverlegung der Weißeritz von 1891 bis 1893 über Cotta in die Elbe war das gesamte Areal auf der Weißeritzstraße zur Bebauung frei. Später entstanden auf dieser Fläche unter anderem eine Großmarkthalle für Obst, Gemüse und Südfrüchte sowie eine Kristalleisfabrik mit Kühlhallen.

Seidel & Naumann. Fabrikgelände um 1895.

Seidel & Naumann. Fabrikgelände um 1895

Zugleich zogen immer mehr Menschen hierher – der Arbeit entgegen, die sie in den neu entstandenen Betrieben rasch fanden. Bekannt war zum einen die Nähmaschinenfabrik „Seidel & Naumann“, die ab 1883/86 ihren Sitz auf der Hamburger Straße hatte und zu Hochzeiten 2500 Mitarbeiter beschäftigte. Neben Nähmaschinen gehörten auch Fahrräder und Schreibmaschinen zum Repertoire des Unternehmens. Zu DDR-Zeiten wurden rund 150.000 Schreibmaschinen jährlich in 35 Länder exportiert. Trotz mehrfacher Sanierung steht der Gebäudekomplex heute leer.

Auch die „Yenidze“, eine Fabrik für Orientzigaretten, hatte sich einen Namen gemacht und ragt noch heute mit ihrer farbig verglasten Kuppel als Wahrzeichen über die Dächer Dresdens.

Yenidze mit Kristalleisfabrik (1935).

Die Kunsteisfabrik und die Zigarettenfabrik um 1935 auf einer Postkarte.

In den Jahren 1908/09 erbaut, wurden hier bis Anfang der fünfziger Jahre Zigaretten der Marken „Salem Al-Eikum“ sowie „f6“ produziert, danach diente das Gebäude rund 40 Jahre lang als zentrales Tabakkontor.

Luftaufnahme Friedrichstadt (um 1930).

Blick über den Alberthafen und die historische Friedrichstadt in Richtung Stadtzentrum (um 1930).

Das zweite bedeutende Industriedenkmal der Friedrichstadt ist die Bienert’sche Hafenmühle mit ihrem 63 Meter hohen Turm. Heute produziert die „Dresdener Mühle“ in der Bienert’schen Hafenmühle mit ihrer modernen Vermahlungsanlage rund 400 Tonnen Weizen- und Roggenmehle pro Tag.

Bienertmuehle um 1920 vom Hafen aus gesehen. Heute Standort der

Blick über den Hafen auf die Bienertmühle um 1920. Heute ist dies der Standort der „Dresdener Mühle“.


Wer sich intensiver mit der Geschichte der Friedrichsstadt beschäftigen möchte, sei an die Interessengemeinschaft „Historische Friedrichstadt“ verwiesen, deren Vorsitzender Erich Riedel auch das hier gezeigte Bildmaterial zur Verfügung gestellt hat.

Kontakt:

Interessengemeinschaft „Historische Friedrichstadt“
im riesa efau. Kultur Forum Dresden
Adlergasse 14
01067 Dresden – Friedrichstadt
Tel. 0351 / 8660234
E-Mail: IG_HF@web.de

http://riesa-efau.de/gesellschaft-gestalten/ig-historische-friedrichstadt/kontakt/

Fotos: IG „Historische Friedrichstadt“/Erich Riedel

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s