Von geschäftigen Kamerawerken und kleinen Hinterhofbetrieben

Hallo Dresden hat sich auf die Spuren der Wirtschaftsgeschichte einzelner Stadtteile begeben. Teil 2 der Serie beschäftigt sich mit Striesen – dem ehemaligen Zentrum der Dresdner Foto- und Zigarettenindustrie. Zu den Grundpfeilern der Fotoindustrie zählten die Kamerawerke von Heinrich Ernemann, der auf dem Bild oben zu sehen ist.

Betriebsame Zigarettenfabriken und kleine Handwerksbetriebe in Hinterhöfen – ab Anfang des 20. Jahrhunderts mischte sich in Striesen Kleingewerbe und Leichtindustrie. Während in den Hinterhöfen Handwerker Taschen, Kinderwagen und Schuhe herstellten, hatten sich die Industriebetriebe entlang an der Schandauer Straße unter anderem der Produktion von Kartonagen und Kunstdrucken verschrieben. Hinzu kamen Unternehmen aus der Foto- und Zigarettenindustrie. Auch mehr und mehr Arbeiter zog es nach Striesen, die sich gerne in den zahlreichen Tanz- und Versammlungslokale des Stadtteils trafen. Darunter das Volkshaus Ost, das heute das Programmkino Ost beherbergt.

Die Betriebe der Foto- und Zigarettenindustrie waren bald weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Striesen war, neben dem angrenzenden Johannstadt, mit den großen Firmen »Jasmatzi & Söhne« und »Lande« das Zentrum der Zigarettenbranche. »Jasmatzi & Söhne« produzierte und handelte mit Zigaretten, Zigarren und türkischem Tabak.

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Zu den Grundpfeilern der einst bedeutenden Foto- und Kinobranche Dresdens zählte das Unternehmen von Heinrich Ernemann, das 1889 als kleine Kameratischlerei an der Schandauer Straße gegründet wurde. Heinrich Ernemann entwickelte den ersten Amateurfilm-Apparat der Welt, mit dem man filmen, projizieren und kopieren konnte und verlieh ihm den Namen »Ernemann-Kino«. Dieser fand bei den gerade aufkommenden Lichtspielhäusern reißenden Absatz. Von dem wirtschaftlichen Erfolg des Kamerabauers zeugt das repräsentative Firmengebäude, der Ernemann-Neubau, mit seinem 48 Meter hohen Kuppelturm. Seit 1993 befinden sich darin die Technischen Sammlungen.

1926 schlossen sich die Ernemann-Kamerawerke A. G. mit verschiedenen anderen deutschen Herstellern zur Zeiss-IKON AG mit Stammsitz in Dresden zusammen. Das erfolgreichste Modell war in den dreißiger Jahren die neu entwickelte Kleinbildkamera »Contax«. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Dresdner Fotoindustrie verstaatlicht und das Zeiss-IKON-Werk mit anderen Unternehmen zu einem Großbetrieb vereinigt. Dieser trug ab dem Jahr 1964 den Namen VEB Pentacon. 1980 entwickelte sich das Unternehmen zu einem der größten Arbeitgeber in der Region und beschäftigte nach Firmenangaben 9000 Angestellte in verschiedenen Teilbereichen.

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© Stephan Kühn

Nur zehn Jahre später musste Pentacon Insolvenz anmelden, doch es wurde ein neues Unternehmen gegründet. 150 Mitarbeiter konnten bleiben. Die Pentacon GmbH, unter anderem auch in der Automobilzulieferung tätig, verkaufte bis Sommer 2015 noch Praktica-Kameras. Dann war Schluss, zu groß die Konkurrenz aus Fernost, zu veraltet die Technik. Michael Bledau, Geschäftsführer der Pentacon, sagt: »Mit der Schließung des Handelsgeschäftes geht ein Stück deutsche Fotogeschichte zu Ende.«

Heute führt die f6 Cigarettenfabrik noch Striesener Industrietradition fort. Von der bekannten Ost-Zigarettenmarke f6 wird nur noch »f6 Original« produziert, ansonsten stellen die rund 400 Mitarbeiter in der Glashütter Straße eine internationale Marke her.

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