»Holz ist ein emotionaler Werkstoff«

Fahrräder aus Holz – die gab es früher mal. Längst haben sich andere Werkstoffe durchgesetzt im Fahrradrahmenbau: Stahl, Aluminium und Carbon zum Beispiel. Seit ein paar Jahren gibt es Selbstbauräder aus Bambusrohren. Brandneu hingegen sind Fahrräder mit Rahmen aus Holzrohren – die nemus cycles. LignoTUBE nennen die Entwickler die verwendeten Holzröhren. Die Konstruktion an sich ist schon genial. Noch erfreulicher ist: Die Erfinder kommen aus Dresden. Curt Beck und Robert Taranczewski sind die kreativen Köpfe hinter LignoTUBE und nemus cycles.

Hallo Dresden: Wenn ich mir Holz nehme, um ein Fahrrad zu bauen, dann ist das entweder schwer oder bricht leicht. Warum hält Ihr Rad zusammen?
Robert Taranczewski: Prinzipiell ist Holz nicht schwer. Ganz im Gegenteil: Holz ist der Leichtbauwerkstoff schlechthin, der mit seinen spezifischen Eigenschaften gerade auch für konstruktive, dynamisch belastete Anwendungen hervorragend geeignet ist. Wir verwenden den Werkstoff Holz in Form von leichtgewichtigen Röhren, sogenannten LignoTUBEs, die mittels spezieller Verbindungselemente aus Aluminium zum Fahrradrahmen zusammengefügt werden. Für die Verbindung beider Komponenten kommt ein Hochleistungsklebstoff zum Einsatz, wie er auch in der Automobilindustrie Verwendung findet. Hierzu haben wir in der Vergangenheit diverse Tests und Untersuchungen durchgeführt, welche die Sicherheit mehr als bestätigen. Um den hölzernen Rahmen zu zerstören, bedarf es schon sehr großer Anstrengung.

Hallo Dresden: Es gibt doch viele gute Fahrräder. Warum braucht es eines aus Holz?
Robert Taranczewski: Sicherlich benötigt es nicht unbedingt ein Fahrrad aus Holz. Jedoch müssen wir mittelfristig beim Einsatz von Werkstoffen bzw. Ressourcen umdenken – gleich in welcher Branche. Nachhaltigkeit und Ökologie sind hierbei die großen Themen. Mit nemus und LignoTUBE wollen wir den Schritt schon heute gehen und zeigen, dass man mit Holz innovative Produkte generieren kann. Zudem ist Holz ein emotionaler Werkstoff, der unsere Sinne anspricht. Mit seiner individuellen Maserung und den unterschiedlichen Texturen und Strukturen sieht es auch sehr attraktiv aus. Wo bietet sich der Einsatz neben Möbeln nicht mehr an als beim Fahrrad!?

nemus CAJALUN
Präzision bis ins Detail. Die Holzröhren sind vielseitig einsetzbar und äußerst belastbar.

Hallo Dresden: Fahrrädern mit Stahlrahmen sagt man nach, sie federten in sich, während Aluminium-Rahmen eher für ein hartes Fahrgefühl sorgen sollen. Wie fährt sich ein nemus?
Robert Taranczewski: Das nemus CAJALUN fährt sehr sicher und komfortabel, ohne zu viel Einbußen in Sachen Sportlichkeit zu haben. Die Holzrohre verleihen dem Bike eine gewisse Flexibilität bei gleichzeitig hoher Stabilität und geringem Gewicht. Auf Unebenheiten besitzt das Bike gute Dämpfungseigenschaften, auf glatter Fahrbahn hingegen kann jede Bewegung direkt in Vortrieb umgesetzt werden. Man hat nie den Eindruck einer besonderen Zerbrechlichkeit. Eher im Gegenteil: Man entwickelt sehr schnell Vertrauen und fährt leicht und leise mit dem schönen, einmaligen Gefühl durch die urbane Welt, ein Holzfahrrad unter sich zu haben.

Hallo Dresden: Werkstoff speziell, Ausstattung speziell: Ist absehbar, ob das nemus-Konzept auch für beim Durchschnittsradler eine Perspektive hat?
Robert Taranczewski: Das ist definitiv absehbar. Das Modell CAJALUN ist erst der Anfang unserer Entwicklung, die wir stetig weiterführen und optimieren. Unser Ziel ist es tatsächlich, zukünftig Fahrräder mit hölzernem Rahmen auch für den durchschnittlichen Radfahrer anzubieten. Das Potenzial hierfür ist definitiv vorhanden.

Hallo Dresden: Wo kann ich ein nemus testen?
Robert Taranczewski: Die Bikes werden in Dresden gefertigt und von uns direkt vertrieben. Interessenten bieten wir künftig die Möglichkeit, hier vor Ort eine Testrunde zu absolvieren und sich von dem einmaligen Fahrgefühl zu überzeugen.

nemus CAJALUN

Hallo Dresden: Wenn ich die Augen offen halte: Kann ich in Dresden schon nemus-Fahrräder auf der Straße entdecken?
Robert Taranczewski: Es ist durchaus möglich, dass Sie einem nemus begegnen. Am ehesten vermutlich meinen Geschäftspartner Herrn Beck oder mich bei einer Erprobungsfahrt – Kunden direkt aus Dresden haben wir bislang noch nicht.

Hallo Dresden: Wie geht es weiter mit den LignoTUBEs im Verkehrseinsatz?
Robert Taranczewski: Langfristig ist es das Ziel LignoTUBEs in vielen unterschiedlichen Anwendungen einzusetzen. Hierbei arbeiten wir sehr eng mit unseren Kunden und Partnern zusammen, um gemeinsam neue innovative Produkte zu entwickeln. Neben dem Fahrrad gibt es natürlich auch weitere Ansätze, LignoTUBEs in Fortbewegungsmitteln konstruktiv und gestalterisch einzubringen. Selbst im Automobil der Zukunft ist ein Einsatz denkbar.

Nemus cycles
c/o LignoTUBE technologies GmbH & Co. KG
Breitscheidstraße 78
01237 Dresden
Tel. 0351 2048451
E-Mail: info@lignotube.de
http://www.lignotube.de

© Alle Bilder: nemus cycles

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