»Hier in der Neustadt gibt es ein paar Widersprüche«

Denkt man an die Dresdner Neustadt – fällt einem auch sogleich das Neustadt-Geflüster ein. Das renommierte Online-Magazin, rund um den »Federführer« Jan Frintert (43) alias Anton Launer, versorgt alle Neustadt-Interessierten mit aktuellen Nachrichten rund um das beliebte Viertel. Erst kürzlich erschien die zweite Auflage seines Buches »Anton auf der Louise«. Darin unterhält er die Leser und Leserinnen mit einer ganz besonderen Sammlung von den spannendsten seiner bisherigen Geschichten. Im Interview mit der Neustadt-Broschüre »Update!« verrät Jan Frintert Insider-Tipps rund um das Dresdner Szeneviertel.

Update!: Zunächst einmal gilt die Neustadt ja als Szeneviertel Dresdens. Wie würdest du diesen Begriff definieren?
Jan Frintert: Szeneviertel ist für mich immer ein merkwürdiger Begriff. Man kann damit nur schwer was anfangen und sich etwas Genaues vorstellen. Aber letztlich ist die Neustadt das einzige Viertel in Dresden, das interessant ist. Der Rest ist quasi im langweiligen Museumsstil mit vielen Parkanlagen. Hier in der Neustadt gibt es, sagen wir mal, ein paar Widersprüche. Auf der einen Seite schicke Cafés und noble Häuser. Auf der anderen Seite gibt es noch ein paar »Verrückte«, die sich gegen das Moderne, Neue und Durchgestylte auflehnen.

Görlitzer Straße 2

Update!: Wie siehst du die Entwicklung der Neustadt in den letzten und in den kommenden Jahren?
Jan Frintert: In den vergangenen 20-25 Jahren seit der Wende haben wir hier eine kontinuierliche Entwicklung der Modernisierung. Die Sanierung der Häuser ist fast komplett abgeschlossen. Es gibt seit einigen Jahren immer mehr Gastronomie und weniger Handel und Gewerbe. Das produzierende Gewerbe ist sogar fast komplett verschwunden. Dafür gibt es hier in der Neustadt mittlerweile einen sehr hohen Touristenanteil. Inwieweit das weiter gut geht, weiß ich natürlich nicht. Wenn man sich andererseits andere Städte anschaut, leben dort Menschen auch im Vergnügungsviertel und das schon über Jahrzehnte. Dann bin ich eigentlich optimistisch, dass auch hier ein Spannungsfeld zwischen der Entwicklung der letzten Jahre und dem klassischen Charme der Neustadt bleiben wird.

Update!: Du sprichst den typischen Neustadt-Charme an. Wo kann man den deiner Meinung nach am besten erleben? Was sind deine »Hotspots«?
Jan Frintert: Also zunächst einmal tue ich mich sehr schwer, mich auf genau einen »Hotspot« festzulegen. Ich kann nicht sagen, »Geh in die eine oder die andere Kneipe oder Club, dann bekommst du das Neustadt-Gefühl!«. Was auf jeden Fall dazugehört: Man sollte sich vor die Scheune setzen, auf die Treppe oder Brüstung. Bei schönen Wetter empfehle ich den Alaunpark, sich einfach mal auf die Bordsteinkante setzen und das Straßenleben beobachten.
Aber grundsätzlich sollte man einfach durch die Neustadt schlendern, vielleicht sogar mit der Bierflasche in der Hand. Am besten zu zwei verschiedenen Zeiten, einmal tagsüber und einmal abends. Idealerweise Freitag oder Sonnabend. Man wird dann zwei komplett verschiedene Viertel erleben. Tagsüber wird man überwiegend Leute treffen, die hier wohnen und arbeiten. Abends und nachts dann die jungen Leute, meistens Studenten, die von Kneipe zu Kneipe pendeln. Diese Mischung aus all diesen Eindrücken macht die Neustadt aus.
Außerdem gibt es hier diverse Stadtführungen durchs Viertel. Eine davon ist der so genannte »Nightwalk«. Da führt zum Beispiel ein Kenner der Graffitiszene durchs Viertel. Man erfährt dabei nicht nur Geschichtliches, sondern auch welches Tag an welcher Wand von wem stammt. Und am Ende geht es dann in die Kneipe und es wird gesoffen.

Assi-Eck

Update!: Gibt es denn einen Stereotyp eines Neustädters?
Jan Frintert: Rein statistisch gibt es sicherlich einen Durchschnitt bezüglich Alter, Einkommen, Lebensverhältnisse etc., aber davon wird sich in der Neustadt keiner repräsentiert fühlen. Also mein Bekanntenkreis hier in der Neustadt reicht vom 15-Jährigen bis zur 75-jährigen Rentnerin. Das andere »Typische« ist vielleicht eine pauschale Verallgemeinerung, aber ich habe das Gefühl, dass die Neustädter Fremden (Touristen, Stadtfremden) offener gegenüber sind als dem Rest von Dresden. Das zeigt sich besonders, wenn jemand sagt, dass ihm hier etwas nicht gefällt. Dann bekommt er gesagt: »Dann zieh doch nach Striesen oder Gorbitz!« Das ist hier so etwas wie ein geflügeltes Wort und hat etwas Elitäres. Der Neustädter weiß schon, dass er etwas Besonderes ist. Eine liebenswerte Arroganz sozusagen.

http://www.neustadt-ticker.de/

© Jan Frintert

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