Grüne Innovation

Das Dresdner Start-Up Green City Solutions hat eine neue Form der Stadtbegrünung erfunden: Der »CityTree« ist Feinstaubbekämpfer und Werbefläche in einem.

Raum für Bäume? In deutschen Städten wird er immer knapper, gleichzeitig steigt die Feinstaubbelastung mehr und mehr. Allein an der Bergstraße in Dresden wurde 2014 das Limit von 50 Mikrogramm Partikel pro Kubikmeter an 36 Tagen überschritten (Quelle).

Vier Dresdner haben sich im Sommer 2013 zusammengetan und an einer Lösung für dieses Dilemma getüftelt. Ein Jahr später präsentierten Victor Splittgerber, der an der TU Dresden Maschinenbau studierte, Medieninformatiker Zhengliang Wu, Städtebauer Dénes Honus und Gartenbauingenieur Peter Sänger, ihr Ergebnis – den »CityTree«, ein freistehendes Trägermedium für die Stadtbegrünung. Die vertikal wachsenden Moose und Pflanzen filtern Feinstaub, CO2 und Stickoxide aus der Luft. Der »CityTree« verfügt dabei über ein automatisches Bewässerungs- und Überwachungssystem, das die Pflanzenversorgung übernimmt und den Versorgungsstand der Anlage regelmäßig an einen Wartungsdienst übermittelt.

CityTree_Team von links nach rechts Zhengliang Wu, Dénes Honus, Peter Sänger, Victor SplittgerberDie vier Köpfe hinter dem »CityTree«: Medieninformatiker Zhengliang Wu, Städtebauer Dénes Honus, Gartenbau-Ingenieur Peter Sänger und Victor Splittgerber, der Maschinenbau studiert hat

Doch brauchen wir solche künstlichen Bäume in unseren Stadtzentren? Peter Sänger, der im Master Gartenbau an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) studiert, bejaht entschieden. »Zum einen sind »CityTrees« äußerst mobil einsetzbar«, meint er. Da für die Aufstellung weder Bodenverankerungen noch Anschlüsse für Strom und Wasser benötigt werden, lässt sich der »CityTree« nahezu überall aufstellen, also auch auf befestigten Plätzen oder solchen, auf welchen der Boden nicht bepflanzt werden kann.

Zum anderen reinigt das System die Luft viel effektiver als Bäume, da eine Kombination aus lebenden Moosen und geeigneten Gefäßpflanzen zur Anwendung kommt. So lässt sich der hochwirksame Wurzelraum der Pflanzen aktivieren, in welchem gasförmige Schadstoffe sehr effektiv gereinigt werden. »Außerdem wird der Feinstaub direkt auf der Höhe unseres Körpers gebunden, nicht erst in der Baumkrone auf vier Metern Höhe«, erzählt Peter Sänger.

Hotspot
So könnte der »CityTree« nach Vorstellungen der vier Start-Up-Gründer zur Verbesserung der Luftqualität in der Prager Straße beitragen. Noch gibt sich die Stadt aber zurückhaltend

Doch der »CityTree« bekämpft nicht nur Feinstaub, sondern dient auch als lebende Werbetafel. Sonst, so die Vermutung der vier Gründer, wird die Verbreitung noch lange Zeit dauern. Städte können oftmals keine finanziellen Mittel aufbringen, Unternehmen hingegen haben feste Marketing-Budgets. Die Oberfläche aus mehr als 1600 Steckplätzen kann mit verschiedenen Pflanztöpfen oder Kunststoff-Pixeln besetzt werden. Diese können, je nach Kundenwunsch, das Firmenlogo, einen pfiffigen Slogan oder QR-Codes abbilden.

Zwei Unternehmen haben den »CityTree« bereits erworben, das erste Exemplar hat die AOK Plus in Jena aufstellen lassen. Auch Städte in ganz Europa signalisieren Interesse, darunter einige spanische Kommunen. Dort klettern die Temperaturen besonders hoch, das Feinstaubproblem ist drückend. Und Dresden? »Die Stadt gibt sich bisher sehr konservativ und möchte Ergebnisse von Umwelttests abwarten«, erzählt der 24-jährige. Die innovative Begrünung hat dennoch ihren Platz in der Elbmetropole gefunden: An der Gründungsschmiede der HTW, in welcher Green City Solutions seinen Sitz hat, werden die Unternehmensgründer bald ein serienreifes Modell des »CityTree« aufstellen.

CityTree_Jena
Das erste Exemplar des »CityTree« steht seit Ende April an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena: Passanten können dort verweilen und den integrierten WLAN-Hotspot kostenlos nutzen

Für die kommenden Monate haben die vier noch viele Pläne: Sie wollen eine angepasste Variante des »CityTree«, ohne Sitzbank, entwickeln, die auch in engen Straßenzügen Platz findet und noch besser die Luft reinigen kann. Und auch eine Indoor-Variante für große Bürogebäude soll es geben. »Die Luft in solchen Komplexen ist meist schlecht, es gibt wenig Grün«, bemerkt Peter Sänger. Die Möglichkeiten die Pflanztöpfe zu begrünen sind vielfältig – rund 300 verschiedene Pflanzen hat er in seiner Datenbank gesammelt.

Darunter Steingartengewächse, verschiedene Gräser und Blütenpflanzen. Sogar eine Bepflanzung mit Gemüse, zum Beispiel Tomaten und Gurken, sowie Beerenobst ist möglich. »Wir haben die Vision einer grünen Infrastruktur, die für ein gesünderes Leben in unseren Städten sorgen soll«, sagt Gartenbauer Peter Sänger. Der »CityTree« ist der erste Baustein auf diesem Weg und soll in Zukunft auch Nahrungsmittel produzieren, zur Flutprävention eingesetzt werden oder Hitzeinseln verhindern. Schon bei mehreren Gründerpreisen überzeugte dieses Konzept die Jurys. »Als multifunktionale Grünfläche für die intelligente Stadt« prämierte die Initiative »Deutschland – Land der Ideen« jüngst den »CityTree« und machte ihn zu einem von 100 ausgezeichneten Orten im Land der Ideen.

http://www.greencitysolutions.de
https://de-de.facebook.com/mygcs

© Alle Bilder: Green City Solutions

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Ein Kommentar zu “Grüne Innovation

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