„Man gehört einfach dazu“

Alle sollen mitmachen können. Das ist eines der zentralen Anliegen des Columba Palumbus e. V. Damit das klappt, engagieren sich im Verein viele ehrenamtliche Menschen jeden Alters – mit und ohne Einschränkung. Ralf Ermer ist gemeinsam mit Dirk Schmidt als Projektleiter im Verein tätig. Bei ihm laufen die Fäden zusammen.

Hallo Dresden: Das Motto des Vereins Columba Palumbus lautet »gemeinsam Lebens(t)räume teilen«. Wer hat da Träume und welche sind das?
Ralf Ermer: Träume haben alle – und viele sind so phantastisch, dass diese auch gestaltet werden müssen. Leider lässt sich nicht alles verwirklichen und doch versuchen wir es. Träumen heißt zum Beispiel als Rollstuhlfahrer klettern zu gehen, zu tanzen, zu reisen, auch wenn Einschränkungen es scheinbar unmöglich machen.

Hallo Dresden: Ist der Columba Palumbus also eine zentrale Anlaufstelle für alle Menschen mit und ohne Einschränkungen?
Ralf Ermer: Wir verstehen uns als ein Verein, der eigene Projekte anbietet, die so gestaltet sind, dass alle daran teilnehmen können. Uns ist es aber auch wichtig, Anregung zu bieten, eigene Ideen gemeinsam mit uns zu verwirklichen. Hindernisse versuchen wir dabei zu umschiffen oder passende Lösungen zu finden.

Hallo Dresden: Warum eigentlich die Bezeichnung »mit und ohne Einschränkungen«? Ist nicht die Bezeichnung »Behinderung« geläufiger? Gibt es da Unterschiede?
Ralf Ermer: Über das genaue Wort haben wir uns lange den Kopf zerbrochen. Behinderungen haben wir alle in irgendeiner Form – »Einschränkungen« schränken (wie das Wort es schon sagt) den Handlungsspielraum Betroffener ein und gestalten das Leben nicht immer so einfach.

Foto.Anne.Hamann_Benefiz2014

Hallo Dresden: Die Mitglieder von Columba Palumbus legen Wert auf den respektvollen Umgang mit den Menschen. Wie setzt der Verein das bei seiner Arbeit um?
Ralf Ermer: Respekt und Achtung voreinander ist ein Grundprinzip von uns. Dazu gehört vor allem die Augenhöhe im Umgang miteinander, das heißt, es ist völlig egal, ob jemand eine Einschränkung hat oder nicht. Jeder ist ein Teil unserer Gesellschaft und hat den entsprechenden Respekt verdient. Gerade auch im Hinblick auf die aktuelle Situation in der Diskussion um Migranten. Keiner kommt grundlos, die meisten nicht freiwillig. Sie haben unsere ganze Achtung und unseren Respekt verdient, damit sie ihre Würde wiederfinden können.

Hallo Dresden: Welche Möglichkeiten bietet der Verein mitzumachen?
Ralf Ermer: Das ist vielfältig. Zum Beispiel als Teilnehmer in einem unserer Projekte: Tanzen, Theater spielen, Bühne gestalten, kochen und und und… Aber auch mit eigenen Ideen das eigene Projekt kreieren und dem auch Leben einhauchen. Ein ganz wichtiger Bestandteil ist zudem die ehrenamtliche Unterstützung, um zum Beispiel Rollstuhlfahrer zu begleiten, damit diese zu unseren Projekten kommen können.

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Ralf Ermer ist Projektleiter bei Columba Palumbus e. V.

Hallo Dresden: Kommen Menschen mit und ohne Einschränkung aus den gleichen Gründen zu Columba Palumbus?
Ralf Ermer: Das kann man so sagen. Raus aus dem Alltag, mal etwas anderes tun. Spaß haben, sich selbst verwirklichen, eigene Stärken entdecken – mitgestalten.

Hallo Dresden: Ist der Verein schon dort angekommen, wo er hinwill?
Ralf Ermer: Ankommen werden wir wohl nie. Aber erreicht ist in der kurzen Zeit unseres Bestehens viel. Am schönsten ist es, zu erleben, wie viele Menschen uns unterstützen beim Umsetzen unserer eigenen Ideen. Aber auch die ersten Projekte, die mit uns gemeinsam verwirklicht werden, gehören dazu. Einer unserer Träume war, ein eigenes inklusives Zentrum zu haben, um unsere Ideen und Projekte angehen zu können. Das hat sich quasi erledigt – das Kinder- und Jugendhaus Emmers bot uns einfach an, im Rahmen ihrer räumlichen Möglichkeiten unser Zentrum bei ihnen einzurichten. Mit dem Sonnenstrahl e. V. Dresden gestalteten wir gemeinsam unser erstes Feriencamp, das in diesem Jahr seine Fortsetzung erfährt. Und so arbeiten wir auch mit der Kindervereinigung Dresden e. V. zusammen, um unsere Ideen und das Thema Inklusion in die Stadt Dresden zu tragen – erlebbar zu gestalten.

Foto.Anne.Hamann_Gruppe.Daumen

Hallo Dresden: Gibt es noch Träume für die weitere Entwicklung?
Ralf Ermer: Unser Traum? Es ist egal, ob man mit Einschränkungen zu leben hat. Man gehört einfach dazu, macht mit, wird nicht ausgegrenzt – ist Teil unserer Gesellschaft.

Hallo Dresden: Vielen Dank.
Ralf Ermer: Wir danken ebenso. Eine schöne Möglichkeit, unsere Ideen und Projekte bekanntzumachen und Menschen einzuladen, bei uns mitzuwirken.

Kontakt
Columba Palumbus e. V.
im Kinder- und Jugendhaus EMMERS
Stadtteilzentrum EMMERS
Bürgerstraße 68
01127 Dresden
info@columba-palumbus.de
http://www.columba-palumbus.de

©  Alle Bilder: Anne Hamann

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