Juristische Hilfe für Patienten nach der Behandlung

Die Schilderungen sind oftmals haarsträubend: Nach dem Unfall ist im Krankenhaus ein Bruch im Knochen nicht erkannt worden, das Körperteil wächst daraufhin falsch zusammen und bleibt steif. Operationsmaterialien verbleiben im Körper und richten dort Schaden an. Für Dr. Jörg Teumer sind das keine Stammtischgeschichten, sondern Berufsalltag. Er arbeitet in der Anwaltskanzlei Hoffmann & Franken – dort ist er Spezialist auf dem Gebiet des Arzthaftungsrechts.

Hallo Dresden: Gibt es eine Gruppe von Menschen, bei denen häufig Behandlungsfehler vorkommen?
Dr. Jörg Teumer: Das ist schwer zu sagen. Ich habe den Eindruck, dass gerade ältere Patienten eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes nicht auf Behandlungsfehler zurückführen, sondern als schicksalhaften Teil des Alterungsprozesses interpretieren. So erkläre ich mir, dass es häufig eher junge Menschen, also die unter 40-Jährigen, sind, die sich an uns wenden.

Hallo Dresden: Was kann man bei Streitigkeiten mit Ärzten und Krankenhäusern erreichen?
Dr. Jörg Teumer: Generell geht es bei diesen Haftungsfragen darum, einen Schadensersatz geltend zu machen, der sich daraus ergibt, dass ein verzögerter Behandlungsbeginn, ein Fehler bei der Behandlung oder das Unterlassen einer notwendigen Behandlung zu Folgeschäden geführt haben. Die Schäden, die angeführt werden, können unterschiedlicher Natur sein: Schmerzen oder Behinderungen, gegebenenfalls verbunden mit Verdienstausfall. Entsprechend sind die unterschiedlichen Bereiche einzeln voneinander zu betrachten.

Hallo Dresden: Das heißt?
Dr. Jörg Teumer: Der geschädigte Patient kann zunächst Schmerzensgeld geltend machen. Hierbei müssen Art, Ausmaß und Dauer der Beeinträchtigungen berücksichtigt werden. Je stärker und länger die Beeinträchtigungen sind, desto höher ist der Anspruch auf Entschädigung. Erst recht, wenn dauerhafte Schäden verbleiben. Meist ist dies der Posten, der den höchsten Betrag ausmacht. Vor allem bei Vielverdienern oder Menschen, bei denen ein komplettes Haushaltseinkommen verloren geht, weil Mann oder Frau nicht mehr zur Arbeit gehen konnten oder können, kommt auch noch der entstandene Lohnausfall hinzu. Möglicherweise kann der Haushalt nicht mehr geführt werden, auch hier gibt es Möglichkeiten des Schadenersatzes. Meist eher kleine Summen ergeben sich durch die Rückerstattung von Medikamentenzuschlägen und Fahrtkosten zum Arzt.

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Dr. Jörg Teumer von der Kanzlei Hoffmann & Franken ist Spezialist für Arzthaftungsrecht
© Sachsenverlag

Hallo Dresden: Wie lange dauert ein solches Verfahren?
Dr. Jörg Teumer: Wenn sich die Parteien nach Sichtung aller Patientenunterlagen und eventuellen Gutachten außergerichtlich einig werden, dauert ein Verfahren in der Regel sechs bis neun Monate. Wenn jedoch der Patient nicht mit dem Angebot einverstanden ist, das ihm die Gegenseite anbietet beziehungsweise die Ansprüche abgelehnt werden, kommt es zu einer Gerichtsverhandlung. In diesem Klageverfahren dauert es noch einmal zwischen sechs bis zwölf Monate, ehe es zu einer Gerichtsverhandlung in erster Instanz geht. Dort wird dann vom Gericht ein Gutachter beauftragt, der darüber befindet, ob ein Behandlungsfehler vorgelegen hat oder nicht. Das Gutachten ist die Grundlage des Urteils – in der Regel ist hiernach Schluss. Aber gegen das Urteil des Richters kann Berufung eingelegt werden. Im Zweifel zieht sich dann ein Verfahren über mehrere Jahre hin.

Hallo Dresden: Und die Kosten dafür? Wer trägt die?
Dr. Jörg Teumer: Das ist wie bei den meisten anderen Gerichtsverfahren auch: Die Kosten trägt, wer den Prozess verliert. Da kommt unter Umständen eine recht hohe Summe zusammen. Was den Patienten im Vorfeld einer Klage bewusst sein sollte, ist, dass sie als vermeintlich Geschädigte in der Beweispflicht sind, das heißt sie müssen dem Arzt bzw. dem Krankenhaus einen Behandlungsfehler nachweisen.

Hallo Dresden: Wie kann ich Ärzten einen Behandlungsfehler nachweisen?
Dr. Jörg Teumer: Wenn es nicht gerade ein offensichtlicher Fehler ist, wie bei einem Fall, wo das Knie Probleme bereitet und am Ende der Arm eingegipst ist, um es mal übertrieben auszudrücken, geht der Nachweis über Einsichtnahme in die Patientenakten und entsprechende Gutachten. Das führt mich noch einmal zur Kostenfrage: Wer ein Verfahren anstrebt, ist mit einer Rechtsschutzversicherung, die Zivilrecht abdeckt, gut beraten. Ohne eine solche Versicherung ist ein Verfahren ein heißes Eisen.

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Hallo Dresden: Warum das? Sind Behandlungsfehler so schwer aufzudecken?
Dr. Jörg Teumer: Das ist in der Tat eine kniffelige Angelegenheit: Denn Ärzte geben Fehler ungern zu und auch deren Versicherer öffnen ungern ihre Brieftaschen. Der Patient ist hier in der Beweispflicht, und da er sich in der Regel nicht mit medizinischen und juristischen Belangen auskennt, braucht er Hilfe. Deshalb kommt er ja zu uns. Wir nehmen zunächst Einsicht in die Patientenakte und versuchen uns einen Überblick zu verschaffen. Oft sind allerdings die medizinischen Details auch für uns nicht ausreichend zu beurteilen. Manchmal beauftragen wir darum, im Einverständnis mit dem Mandanten, einen privaten Gutachter. Hier hilft uns wiederum unsere jahrelange Erfahrung, um einen passenden Sachverständigen verpflichten zu können. Der Gutachter analysiert die Sachlage anhand der Unterlagen. Kommt er, wie der Patient, zu dem Schluss, dass ein Behandlungsfehler vorliegt, ist das eine sehr gute Ausgangsbasis, um mit der Haftpflichtversicherung des Arztes ins Gespräch zu kommen und einen passablen Vergleichswert auszuhandeln.

Hallo Dresden: Und ohne privaten Gutachter, wie stehen dann meine Chancen?
Dr. Jörg Teumer: Es gibt verschiedene Möglichkeiten im Vorfeld eines Verfahrens. Zur Finanzierung kann unter Umständen Beihilfe beim Amtsgericht beantragt werden. Zur Verfahrensvorbereitung könnten noch der Medizinische Dienst der Krankenkasse (MDK) oder die entsprechenden Schlichtungsstellen bemüht werden. Unsere Erfahrung zeigt jedoch, dass es sich lohnt, vorher bei uns vorbeizuschauen. Als Experte auf dem Gebiet kenne ich die rechtlichen Möglichkeiten sehr gut und kann oft schon im Vorfeld die Weichen stellen, damit der Geschädigte zu seinem Recht kommt.

Kontakt
Hoffmann & Franken
Rechtsanwälte – Steuerberater
Kanzlei Dresden
Huttenstraße 20
01309 Dresden
Tel 0351 3122430
Fax 0351 3122431
dresden@hoffmann-rechtsanwaelte.de
http://www.hoffmann-rechtsanwaelte.de

© Vorschaubild: Creativ Collection

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