„Das Emmers wirkt nur als Ganzes gut“

Das Stadtteilzentrum EMMERS ist einerseits ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche auf unterschiedlichste Art und Weise ihre Freizeit verbringen können. Andererseits bietet das Haus eine Heimstatt für engagierte Vereine und Initiativen. Jens Hilgner leitet das Haus und bringt zusammen mit seinem Team die unterschiedlichen Interessen unter den sprichwörtlichen Hut.

Hallo Dresden: Im EMMERS, so scheint es, ist immer etwas los. Wie ist das zu bewerkstelligen?
Jens Hilgner: Im Stadtteilzentrum EMMERS arbeiten aktuell zwei Sozialpädagoginnen und zwei Sozialpädagogen. Dieses Kernteam wird von zahlreichen Honorarkräften, EhrenamtlerInnen und PraktikantInnen unterstützt. Es gilt einen wochentäglichen Betrieb zu führen – sowie Ferienaktionen, Sonderveranstaltungen und Feste zu organisieren.

Hallo Dresden: Ist das EMMERS eigentlich eher für Kinder und Jugendliche oder für Erwachsene eine Anlaufstelle?
Jens Hilgner: Das EMMERS wird von der Stadt Dresden im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit gefördert. Es versteht sich primär als Kinder- und Jugendhaus und ist somit hauptsächlich eine Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche. Natürlich dürfen auch Eltern das EMMERS besuchen. Auch sind Sonderveranstaltungen wie die »Double D Town Battle« und das »EMMERS inklusive« für Jung und Alt offen.

Hallo Dresden: Die Vielgestaltigkeit am Platz: Ist es eher eine Herausforderung, die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bekommen oder regen sich die Initiativen gegenseitig an?
Jens Hilgner: Das EMMERS wirkt nur als Ganzes gut! Die verschiedenen Initiativen, Projekte und Netzwerke profitieren voneinander und regen sich somit eher an, als dass sie einander stören. Dabei gilt es mögliche Interessenskonflikte positiv für alle Beteiligten aufzulösen. Gemeinsam und direkt vor Ort ergeben sich schnell fruchtbare Synergien, lassen sich effektiv Ressourcen bündeln und gemeinsame Projekte und Aktionen durchführen.

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Hallo Dresden: Das EMMERS bringt vielfältige Kultur in den Stadtteil. Wie beeinflusst das den Stadtteil – oder auch die einzelnen Kinder?
Jens Hilgner: Das EMMERS hat mittlerweile einen sehr guten Ruf im Stadtteil. Eltern haben keine Sorge mehr, ihre Kinder in unser Haus zu senden. Natürlich beeinflusst die tägliche Arbeit die jungen NutzerInnen des Hauses, stärkt sie, lässt sie ihre Grenzen erfahren und gleichzeitig neue Möglichkeiten entdecken. Inklusion und HipHop sind hier die öffentlich besonders wahrgenommen »Lichtgestalten«, welche jungen Menschen über die klassische Kinder- und Jugendhilfe hinaus in das Haus locken. Aber auch das Weihnachts- oder Faschingsfest, die Zirkus- und Beachwochen sind Höhepunkte für Kinder und Jugendliche weit über den Stadtteil Pieschen hinaus.

Hallo Dresden: Und doch: Das EMMERS sorgt dafür, dass die Kinder auch mal aus ihrem Kiez rauskommen. Kletterfahrten, Paddeltouren und viele andere Aktionen stehen auf dem Plan. Es gibt den Ausspruch: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt? Warum fährt das Team des Stadtteilzentrums mit den Kindern und Jugendlichen auf diese Entdecker-Touren?
Jens Hilgner: Hier bewegen wir uns im klassischen Kinder- und Jugendhilfebereich. Viele junge NutzerInnen des Hauses können sich aufgrund der finanziellen Situation in ihren Familien keinen Urlaub leisten. Unsere Entdecker-Touren sind immer einem Jahresthema untergeordnet, welches sich in Miniprojekten, Ausflügen und Touren abbildet. Dieses Jahr heißt unser Thema: »Eigene Grenzen erfahren und entdecken!« Gefördert werden die Entdecker-Touren von der Stiftung Children for better World aus deren Förderprogramm gegen Kinderarmut in Deutschland.

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© Creativ Collection

Hallo Dresden: Das EMMERS arbeitet auch mit anderen Freizeiteinrichtungen zusammen, zum Beispiel dem Spike in Leubnitz-Neuostra. Nicht gerade der nächste Weg. Warum sind solche Arten der Zusammenarbeit notwendig?
Jens Hilgner: Netzwerkarbeit ist unerlässlich – nicht nur in der Sozialen Arbeit. Meist entsteht sie bei gemeinsamen Themenschwerpunkten. Die Kooperation mit dem Jugendtreff Spike entstand aufgrund des gemeinsamen Themenschwerpunktes HipHop. Das Spike ist so etwas wie die Wurzel des HipHops in Dresden und als sich das Thema dann bei uns auch immer mehr zeigte, war es naheliegend sich mit dem Spike zusammenzusetzen und etwas Gemeinsames zu entwickeln.

Hallo Dresden: Sie erhalten von vielen Seiten Unterstützung – an welcher Stelle zwackt es noch, wo braucht es mehr Hilfe?
Jens Hilgner: Ohne Ehrenamt und Drittmittel wäre eine qualitativ hochwertige Sozialarbeit heutzutage nicht mehr möglich. In Zeiten von kommunalen Sparzwängen auf der einen Seite und Kostenexplosionen bei Strom, Lebensmittel und so weiter auf der anderen Seite, reicht die aktuelle Förderung aus der öffentlichen Hand leider gerade mal soweit, dass wir nur ein äußerst »angebots-armes« Haus öffnen könnten und das wäre alles. Zwacken tut es also überall und es ist jährlich immer wieder aufs Neue eine große Herausforderung, Fördergeldgeber und Spender zu akquirieren. Bei dieser Drittmittelakquise werden wir sehr gut von unserem Träger, der Outlaw gGmbH, unterstützt.

Hallo Dresden: Und wer kommt zu selten?
Jens Hilgner: Da fällt mir gerade niemand ein. Das Haus ist in der Regel voll und bunt.

Hallo Dresden: Gibt es einen Prominenten, dem das Team die verschiedenen Aktionen gerne mal zeigen würde?
Jens Hilgner: Nun, Förderprogramme haben oft prominente Schirmherren. Somit waren im EMMERS in den letzten Jahren bereits viele Prominente zu Besuch: Politiker wie der Sächsische Ministerpräsident Stanislav Tillich, der Starpantomime Ralf Herzog, Starköche, die Olympiasiegerin Britta Steffen, internationale Breakdanceweltmeister und unzählige Medienvertreter. Prominenz gehört bei uns also zum Alltagsgeschäft hinzu und ist natürlich wichtig, um auf die oft sehr problematischen Lebenslagen und Situationen der jungen BesucherInnen des Hauses aufmerksam zu machen. Und trotzdem würden sich die jungen FußballerInnen mal einen Christiano Ronaldo zum Anfassen wünschen. Pieschen hat einen hohen Anteil portugiesischer Zuwanderer.

Hallo Dresden: Vielen Dank! Und viel Erfolg für die weitere Arbeit!

Kontakt
Kinder- und Jugendhaus EMMERS
OUTLAW gGmbH
Bürgerstraße 68
01127 Dresden
Telefon: 0351-8489796
E-Mail: info@emmers-dresden.de
http://www.emmers-dresden.de

© Vorschaubild: Creativ Collection

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