„Fechten ist sehr emotional“

Die Artos Fechtschule bildet sowohl Kinder und Jugendliche, als auch erwachsene Neulinge im Fechten aus. Robert Peche ist Leiter der Fechtschule in Trachenberge und seit vielen Jahren selbst Fechter und Trainer.

»Wir sind stolz, einen hohen Anteil Mädchen bei uns zu betreuen«, sagt Robert Peche. »Denn die wenigsten wissen, dass Fechten auf jeden Fall eine Sportart für Mädchen und Frauen ist. Dennoch: Jungen und Mädchen sind unterschiedlich und diese Unterschiede werden bei uns im Umgang und Training berücksichtigt.« Zwei bis drei Schnuppertrainingsstunden sind in der Artos Fechtschule kostenfrei möglich. Nach der absolvierten Grundausbildung setzen die Kinder ihr Training dann nach Alter getrennt fort. »Unser Kinder- und Jugendtraining ist langfristig orientiert«, hebt Robert Peche hervor.
Zunächst sei es erforderlich, das Fechten in der Grundausbildung zu erlernen. Dazu gehörten Fechtschritte und Paraden. Es gehe sehr viel um die Schulung von Konzentration, Reaktionsvermögen, Schnelligkeit und Geschicklichkeit. Werte wie Fairness, Disziplin und ehrenhaftes Verhalten stünden im Fechtsport ebenso auf der Tagesordnung. »Nicht bei jedem Training wird unser Nachwuchs selbst fechten. Bis zur Turnierreifeprüfung ist es meist ein langer Weg, welcher ein regelmäßiges Training erfordert.«
Derzeit trainieren hier viele Kinder und Jugendliche in unterschiedlichen Trainingsgruppen. Interessierte können sich jederzeit anmelden. Ein Einstieg in die wöchentlich stattfindenden Anfängergruppen ist sofort möglich.

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Inhaber Robert Peche machte sein Hobby zum Beruf und bringt Jung und Alt die Kunst des Fechtens bei

Hallo Dresden: Kämpfen mit Schwert, Florett, Degen – kommt das alles aufs Gleiche hinaus?
Robert Peche: Nicht wirklich. Im Sportfechten haben sich zwei Stoßwaffen, Degen und Florett, sowie eine Hiebwaffe, der Säbel, durchgesetzt. Sie sind von der Entwicklung her eher die »Enkel« des Schwerts. Die Waffen unterscheiden sich in möglichen Trefferzonen und den Wertungsregeln. Beim Degen bekommt derjenige den Treffer, der eher trifft; bei Florett und Degen muss man der Angreifer sein, um einen Punkt zu machen. Diese Vielfalt innerhalb der Sportart Fechten ist wenigen bekannt, ist aber für die Sportler sehr spannend.

Hallo Dresden: Das Duell mit Hieb- und Stichwaffen hat ja schon eine uralte Tradition, war früher gar wesentlicher Bestandteil des Überlebens für manche Berufsgruppen. Welche Bedeutung hat das Fechten heute?
Robert Peche: Fechten ist eine der wenigen europäischen Kampfsportarten und übrigens die einzige olympische Kampfsportart, die mit einer Waffe durchgeführt wird. Heute ist Fechten eine von vielen Sportarten, mit denen Menschen ihre Freizeit verbringen können. Es ist aber nicht nur Sport, sondern auch eine Kunst. Wie musische oder malerische Künste, ist auch die Fechtkunst nicht nur körperlich, sondern auch geistig zu erlernen.

Hallo Dresden: Bei Wettkämpfen scheinen die Fechter immer sehr beherrscht. Ist es Teil des Sports, sich zurückhaltend wie ein »Gentleman« oder eine »Lady« zu benehmen?
Robert Peche: Fechter verbergen ihr Gesicht hinter einer Maske. Dies geschieht vornehmlich zum Schutz, aber natürlich sind dadurch auch nicht alle Emotionen für den Zuschauer oder Gegner sichtbar. Fechten ist sehr emotional für denjenigen, der es ausübt. Aber der Respekt vor dem Gegner und das Prinzip der ritterlichen Ehre verbieten Wutausbrüche oder Schmähungen des Gegners. Freude am Sieg ist allerdings erlaubt, aber die entlädt sich meist erst nach dem Kampf, wenn die Kameras oft schon abschalten.

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Hallo Dresden: Und die weiße Farbe der Kleidung. Welchen Grund gibt es dafür?
Robert Peche: Heute werden die Treffer elektronisch gemessen, aber früher musste man sich anders behelfen. Die entschärften Spitzen der Waffen wurden mit Asche oder Tinte getränkt und auf weiß hat man diese Trefferflecken dann gut erkannt.

Hallo Dresden: Es gibt viele sehr erfolgreiche Fechterinnen und Fechter – auch aus Deutschland. Was braucht es, um erfolgreich zu werden?
Robert Peche: Da unterscheidet sich das Fechten nicht von anderen Sportarten oder Künsten. Es wird der erfolgreich, der bereit ist, Zeit, Geduld und Leidenschaft zu investieren. Fechten erlernen kann wirklich jeder, mancher hat sogar Talent. Aber nur mit Training und Übung gelangt man zur Meisterschaft.

Hallo Dresden: Könnten Damen und Herren eigentlich gegeneinander antreten? Denn in Schnelligkeit und Konzentration dürften sie sich doch ebenbürtig sein, oder?
Robert Peche: Im Training fechten Männer und Frauen gemeinsam. Dies ist kein Problem, auch wenn es meist einen gewissen Kraftunterschied gibt. Aber die Geschlechter fechten tatsächlich unterschiedlich, was mich persönlich sehr fasziniert. Männer fechten meist körperlicher und sehr strategisch-taktisch im Erarbeiten von Kampfsituationen. Frauen fechten meist intuitiver und verlassen sich auf ein inneres Gefühl. Beides ist möglich und führt zum Erfolg.

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Hallo Dresden: Aus welchen Gründen kommen die Kinder und Jugendlichen oder auch Erwachsenen zu Dir in die Fechtschule?
Robert Peche: Für mich ist eher die Frage, warum bleiben sie. Viele sind neugierig und wollen das Fechten mal ausprobieren. Jedes Kind hat mal mit Stöcken als Pirat oder Ritter einen Fechtkampf bestritten. Ich versuche diese Tatsache als Aufhänger zu nutzen, um die Kinder an den Sport heran zu führen. Viele bleiben dabei, weil es ein Sport ist, bei dem man für sich selbst verantwortlich ist. Man ist allein auf der Fechtbahn mit dem Gegner, muss Mut und Können beweisen und mit Siegen und Niederlagen umgehen. Erwachsene hingegen kommen aus Neugier, weil sie es immer schon machen wollten oder weil ihnen joggen oder das Laufband im Fitnessstudio zu langweilig sind. Sie lernen unheimlich schnell und entdecken die Faszination für sich. Ohne es bemerkt zu haben, treiben sie plötzlich Sport, fühlen sich gesünder oder verlieren ein paar Pfunde.

Hallo Dresden: Was sollten Anfänger mitbringen, die zu Dir kommen und das Fechten erlernen möchten?
Robert Peche: Das Schöne am Fechten ist, dass es keine speziellen Voraussetzungen braucht, außer dass man Lust haben sollte, sich damit zu beschäftigen und sich anzustrengen. Man kann eigentlich ab der Grundschule anfangen, aber auch später noch jederzeit neu einsteigen. Die Körpergröße spielt absolut keine Rolle, selbst in der Weltspitze tummeln sich kleine schnelle Fechter, ebenso wie große hünenhafte Kämpfer. Es gibt übrigens auch keine Gewichtsklassen im Fechten.

Hallo Dresden: Gibt es eigentlich eine standesgemäße Begrüßung oder Verabschiedung unter Fechtern?
Robert Peche: Natürlich werden vor Gefechtsbeginn der Gegner, der Kampfrichter und die Zuschauer begrüßt. Dies geschieht mit der Waffe und einer leichten Verbeugung.

Kontakt
Robert Peche
Artos Fechtschule
Kleiststraße 10 C (Kleistkarree)
01129 Dresden
Tel.: 0351 8435513
E-Mail: info@fechtschule-artos.de
http://www.fechtschule-artos.de

Trainingszeiten für Fechtanfänger
Montag 17.30-18.30 Uhr (Kinder bis 6 Jahre)
Freitag 17.00-18.30 Uhr (Kinder zwischen 6-11 Jahren)
Freitag 18.30-20.00 Uhr (Jugendliche ab 12 Jahren)
Weitere Zeiten auf Anfrage machbar.

© Alle Bilder: Artos Fechtschule

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