„Der Stadtteil könnte doch sehr gewinnen“

Es ist ein Aufruf, ein Wachrütteln, ein Mutmachen: »Wir entwickeln Löbtau – Machen Sie mit!«. Die knappe Botschaft ist vielschichtig und dennoch direkt. Der Stadtteil Löbtau liegt in einem Dornröschen-Schlaf kultureller Wahrnehmung und wird seit einigen Jahren Schritt für Schritt von Kulturschaffenden wachgeküsst. Die Ideen zur Gestaltung des Stadtteils sind vielfältig. Diese kommunikativ zusammenzubringen, haben sich Angela Bösche und Felix Liebig zur Aufgabe gemacht.

Hallo Dresden: Hallo Angela, hallo Felix. Wen sprecht Ihr mit Eurem Aufruf »Machen Sie mit!« an?
Angela Bösche und Felix Liebig: Dieser Aufruf soll Löbtauer Bürger ebenso erreichen wie die Akteure des öffentlichen Lebens sowie die Händler und Gewerbetreibenden. Uns war wichtig zu zeigen, dass konkrete Menschen, konkrete Gesichter hinter den Bemühungen stehen, den Stadtteil zu beleben. Nicht, wie auch mittlerweile in der Kultur in der Regel üblich, ein Produkt oder eine Botschaft.

Hallo Dresden: Wo war bisher Sand im Getriebe, so dass die Löbtauer nun von Euch angeschoben werden müssen?
Angela Bösche und Felix Liebig: Zunächst müssen wir sagen, dass wir das »Werk« Löbtauer Runde vom ersten Sprecher Matthias Winkler übernommen und fortgeführt haben. Er hat die Entwicklung einer eigenen Internet-Seite angestoßen, die Mittel dafür kamen aus dem Gemeinwesenfonds des Diakonischen Werkes der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen e.V. Dadurch haben wir eine neue Stufe der Bekanntheit erreicht. Ich denke, wir schieben die Löbtauer nicht an oder sie uns, sondern bündeln kommunikativ Aktivitäten, vernetzen Menschen mit Ideen und Visionen. Auch im Unterschied zu viel pragmatischeren oder themenspezifischeren Akteuren wie Werk.Stadt.Laden bzw. »Willkommen in Löbtau«. Es gibt einerseits die alten Löbtauer mit ihrem Erfahrungsschatz und ihren Erinnerungen und andererseits die vielen jungen Leute mit ganz eigenen Projekten und Sichtweisen. Wenn das noch mehr und zielgerichteter zusammen käme, könnte der Stadtteil doch sehr gewinnen.

Hallo Dresden: Was braucht die Initiative: Ideen, Menschen, die mit anpacken, finanzielle Unterstützung?
Angela Bösche und Felix Liebig: Menschen mit Ideen sind immer willkommen. Dass Löbtau von tatkräftigen Menschen bewohnt wird, zeigt sich jetzt in der außerordentlichen Resonanz auf den Aufruf der Initiative »Willkommen in Löbtau«. Diese haben junge Löbtauer Bürger gemeinsam mit Frau Merkel-Manzer, der Pfarrerin der Ev.-Luth. Gemeinde Frieden und Hoffnung, zur Vorbereitung des Bezugs des ersten Asylbewerberheims in Löbtau gestartet. Die Finanzierung von Projekten ist für uns immer schwierig, da wir nicht über eigene Mittel verfügen. Bisher konnten wir zum Beispiel Mittel aus dem Fonds für Interessengemeinschaften im Rahmen des Sanierungsgebietes Löbtau nutzen, wofür wir uns bei Frau Häuser, der Leiterin des Projekts im Stadtplanungsamt, herzlich bedanken. Für die Zukunft sind Ideen zum Auftreiben von »Bürgerkapital« gefragt.

31537_Boesche_16 31537_Liebig_68
Angela Bösche und Felix Liebig engagieren sich für ein kulturell lebendiges Löbtau
© privat/Fotograf: Foto Hahn

Hallo Dresden: Welche Projekte konntet Ihr schon umsetzen? Was steht noch auf der Agenda?
Angela Bösche und Felix Liebig: Gelungene Projekte sind der Internetauftritt, die Imagekampagne und das unter Verantwortung des Gewerbevereins im September 2014 gefeierte Jubiläumsfest »110 Jahre Kellei«. Weit fortgeschritten ist bereits die AG Löbtauer Geschichte, in Gründung befindet sich die AG Stadtteilkultur und voraussichtlich findet sich eine AG Redaktion zusammen. Für 2015 stehen zum Beispiel die Teilnahme am »International Parking Day« am 18. September sowie am »Tag des offenen Denkmals« am 13. September und das Angebot von Stadtteilrundgängen zur Löbtauer Kultur an. Bereits jetzt sammeln wir Ideen für das Stadtteiljubiläum 950 Jahre »Kuh-Löbte« im Jahr 2018. Langfristig planen wir den Aufbau eines Kultur-Cafés für Löbtau.

Hallo Dresden: Stadtentwicklung ist ein Prozess, einzelne Projekte sind nur kleine Bausteine darin. Welche Vision habt Ihr vor Augen? In welche Richtung soll es gehen?
Angela Bösche und Felix Liebig: In unserer Vorstellung ist Löbtau ein lebendiger Stadtteil, in dem die Menschen nicht nur gut wohnen und schnell mal die nötigen Lebensmittel einkaufen, sondern wo sie auch ihre Freizeit verbringen, bummeln, sich wohlfühlen – schlicht: als Löbtauer leben können. Dabei spielt, nicht nur wegen der Asylproblematik, das Zusammenleben in der Stadt insbesondere in der Nachbarschaft eine Rolle.

Hallo Dresden: Löbtau zu beleben – greift das die historischen Wurzeln auf? Sprich: War Löbtau in früheren Zeiten ein quirliger Flecken Erde oder wirken die Ideen zur Stadtteilentwicklung auf einen »Umbau« bisheriger Strukturen hin?
Angela Bösche und Felix Liebig: Löbtau war bereits vor der Eingemeindung nach Dresden im Jahr 1903 eine wohlhabende Vorstadt wie am Campo Santo des Friedhofs mit hochbürgerlichen Gräbern zu sehen ist. Es gab eine aufsteigende Industrie, alte Löbtauer schwärmen von den vielen Cafés, Restaurants und Läden. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg galt die Kesselsdorfer als die beliebteste Einkaufsstraße Dresdens. Potential ist also vorhanden. »Umbau« ist doppelt treffend: Architektur und Menschen sollen wieder lokaler verankert werden, um die Authentizität des Stadtteils und die Identifikation mit ihm zu stärken.

kirche BILDUNG GESCHICHTE
Die Kirchturmspitze der Friedenskirche in Dresden-Löbtau
© privat/Löbtauer Runde

Hallo Dresden: Sind schon alle Akteure an einem Tisch oder vermisst Ihr noch jemanden?
Angela Bösche und Felix Liebig: Ein Problem, das auch dem Gewerbeverein »Kellei« zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass die Kellei immer mehr von gleichförmigen Ablegern großer Handelsketten dominiert wird. Gut wäre es also, wenn sich auch Grundstückseigentümer für die Entwicklung ihres Stadtteils interessieren würden. Daneben fällt es den unterschiedlichen Milieus im Stadtteil aufgrund heutzutage anonymisierter Nachbarschaften und wirtschaftlicher Engpässe für kulturelle Projekte schwer, sich zu vernetzen und eine gemeinsame Sache – etwa Löbtau als Lebensort – zu verfolgen.

Hallo Dresden: Wenn sich jemand engagieren möchte, an wen wendet er oder sie sich?
Angela Bösche und Felix Liebig: An unsere Mailadresse »sprecher@loebtau.org«. Zu erreichen sind wir auch telefonisch unter 0351 4124769 (Angela Bösche) und 0351 4662766 (Felix Liebig).

Hallo Dresden: Vielen Dank und viel Erfolg weiterhin!
Angela Bösche und Felix Liebig: Auch wir danken und freuen uns auf Zuspruch interessierter BürgerInnen.

Kontakt
http://www.loebtau.org

© Vorschaubild: privat/Löbtauer Runde

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s