„Zuwendung und Begleitung Gottes in den Fokus rücken“

Eine Hauptamtliche und mehrere Ehrenamtliche der evanglisch-lutherischen Kirchgemeinde Frieden und Hoffnung kümmern sich um die älteren Menschen in ihrem Gemeindegebiet. Pfarrerin Konstanze Eymann feiert regelmäßig Andachten und Gottesdienste in verschiedenen Pflegeeinrichtungen in Löbtau. Im Wohnpark Löbtau »Wohnen in Geborgenheit«, in der Seniorenresidenz Mohorner Straße und im Seniorenzentrum AGO ist sie unterwegs.

Hallo Dresden: Welche besonderen Bedürfnisse haben ältere Menschen in Glaubensangelegenheiten?
Konstanze Eymann: Wie bei jüngeren Menschen auch, ist das sehr unterschiedlich: Die jeweilige Lebenserfahrung fließt ja in den Glauben ein. Für manche Senioren ist der Glaube ganz fester Bestandteil des Lebens geworden, sie wollen ihren Glauben mit Gesprächen, Ritualen und Liedern weiter pflegen und sie vertrauen fest auf Gottes Beistand im Alter. Andere Senioren haben auch ihre Zweifel, sie sind vielleicht von Gott oder »der Kirche« persönlich enttäuscht worden und tasten erst mal ab, ob ihnen ein Gottesdienst überhaupt etwas geben kann. Sie hören sehr genau hin, was da die Pfarrerin sagt. Andere kommen auch neugierig mit Fragen zu Glaubensthemen und wollen beispielweise von mir wissen, wie ich mir das Leben nach dem Tod vorstelle. Natürlich rücken am Ende eines Lebens Glaubensthemen in den Vordergrund wie Leiden, Krankheit, Schuld, Dankbarkeit, Tod und die biblische Auferstehungshoffnung.

Hallo Dresden: Gibt es auch spezielle Bibelthemen, die für alte Menschen immer wieder hilfreich oder wichtig sind?
Konstanze Eymann: In den Gottesdiensten und Andachten in den Pflegeeinrichtungen orientiere ich mich mit den biblischen Texten am kirchlichen Jahreskreis. Viele Senioreninnen und Senioren können keinen Gottesdienst mehr außerhalb der Pflegeeinrichtung besuchen. Die Pflegeeinrichtung ist der Ort, wo sich ihr gesamtes Leben abspielt. Die Gottesdienste geben somit die einzige Möglichkeit kirchliche Feste, die Passionszeit etc. zu feiern und zu begehen. Meist wähle ich bekannte biblische Geschichten, die gut nachzuerzählen sind und die schon für sich allein predigen. Oft freuen sich die Senioren, wenn ein »Wiedererkennungseffekt« einsetzt, wenn beispielsweise jemand sagt: »Dieser Satz ist mein Trauspruch.« Außerdem ist es mir wichtig, biblische Geschichte zu erzählen, die besonders stark die Zuwendung und Begleitung Gottes in den Fokus rücken. Auch wenn sich die Senioren in der Pflegeeinrichtung grundsätzlich wohl fühlen: Schwindende körperliche Kräfte, Krankheiten, Lebensrückblick, Todesfälle um sie herum, das ist einfach ihre Lebenssituation. Manchmal auch das Gefühl fremd zu sein oder Einsamkeit. Ich möchte ihnen sagen, dass Gott sie nicht allein lässt, dass Gott bei ihnen ist, auch in Krankheit, Schwachheit und sogar im Tod und darüber hinaus.

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Pfarrerin Konstanze Eymann hält regelmäßig Gottesdienste in Seniorenheimen in Dresden-Löbtau
© K. Eymann

Hallo Dresden: Kommt in Pflegeeinrichtungen eine andere Beziehung zu den Menschen zustande als im Gemeindehaus beziehungsweise in der Kirche?
Konstanze Eymann: Gott hat jeden Menschen einzigartig geschaffen, daher versuche ich, allen Menschen wertschätzend und mit Offenheit zu begegnen, ob im Gemeindehaus oder in der Pflegeeinrichtung. Oft werden mir von älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen aber besonders großes Vertrauen und Wertschätzung entgegen gebracht. Viele freuen sich, wenn ich zum Gottesdienst komme oder zu Besuch zu ihnen. Das ist natürlich ein sehr schönes Gefühl.

Hallo Dresden: Wenn Gemeindearbeit funktionieren soll, was braucht es dazu?
Konstanze Eymann: Mitarbeiter, die viel Freude an Gottes Wort und an ihrer Arbeit haben, aktive und interessierte Gemeindeglieder, Offenheit und Toleranz füreinander, Geduld und Humor im Miteinander und Gottes guten Geist, der in allen wirkt und dem man Vertrauen schenkt. Das alles zusammen ergibt funktionierende Gemeindearbeit.

Hallo Dresden: Welchen Stellenwert hat Musik in der Seniorenarbeit?
Konstanze Eymann: Musik hat einen sehr wichtigen Stellenwert! Denn Musik spricht die emotionale Ebene des Menschen an. In den Pflegeeinrichtungen versuche ich vorrangig Live-Musiker dabei zu haben. Glücklicherweise unterstützen mich da viele Ehrenamtliche aus meiner Gemeinde. Live-Musik ist viel stimmungsvoller als CD-Musik. Außerdem ist Live-Musik ein Symbol der Wertschätzung: Da kommt jemand, der musiziert nur für uns. Und letztlich spielt das Singen dabei eine große Rolle. Singen kennt kein Alter. Das Singen belebt Körper und Geist. Viele Begebenheiten im Leben verknüpfen wir unbewusst mit einem bestimmten Lied. Und Lieder können diese Erinnerungen jederzeit wieder wach rufen. Es ist wirklich wunderbar, wenn sich jemand plötzlich erinnert: »Dieses Lied hat meine Mutter immer mit uns gesungen.« So sind Lieder viel mehr als Unterhaltung, sie können Orientierung und Lebenshalt schaffen. Lieder formulieren Gefühle. Denn Gesang, eine Melodie sagen manchmal viel mehr als gesprochene Worte. Unsere Kirchenlieder beinhalten die verschiedensten Erfahrungen mit Gott: Vom Gefühl des Lobes, über das Gefühl der Hoffnung, aber auch das Gefühl der Trauer und Klage kann man in einem Lied ausdrücken. So bringt ein Lied unterschiedlichste Gefühle vor Gott und kann zum gesungenen Gebet werden.

Siegel Frieden und Hoffnung

Hallo Dresden: Sind auch ältere Menschen noch sattelfest bei den Kirchenliedern?
Konstanze Eymann: Und ob. Die traditionellen Kirchenlieder mit den eingängigen Melodien, wie zum Beispiel »Großer Gott wir loben dich«, aber auch viele alte Volkslieder, die sind tief in den Gedächtnissen und Herzen der älteren Menschen verankert. Senioren, die aufgrund einer Sehschwäche Liedblätter nicht mehr lesen können oder die unter Demenz leiden, stimmen manchmal plötzlich laut in Lieder ein, die ihnen von früher vertraut sind. Die Lieder »von früher« sind tief in ihrem Unterbewusstsein abgespeichert und plötzlich ist der Text wie von selbst auf den Lippen. Wenn so etwas passiert, macht es diese Menschen und auch mich sehr glücklich, denn das sind besonders anrührende Momente.

Hallo Dresden: Wenn Du alte Menschen in Deine Gebete einschließt, wofür betest Du?
Konstanze Eymann: Da ist es schwer, eine generelle Auskunft zu geben. Das hängt ja immer vom jeweiligen Menschen ab, den ich kennen gelernt habe und für den ich bete. In den Gottesdiensten der Pflegeeinrichtungen bete ich meist für schöne Momente, Lebensfreude, Kraft im Alltag und darum, dass die Menschen die Nähe Gottes in ihrem Herzen verspüren. Auch spreche ich Gebete für die Verstorbenen der Einrichtung.

Kontakt
Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde
Frieden und Hoffnung Dresden
Clara-Zetkin-Straße 30
01159 Dresden
Tel.: 0351 4226910
E-Mail: kg.dresden_friedenundhoffnung@evlks.de
http://www.frieden-hoffnung.de

© Vorschaubild: Jürgen Mummert

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