„Ich folge meinem inneren Bauchgefühl“

Handbedruckte Textilkunst auf Taschen aller Art, filigraner Schmuck aus Metall und Naturmaterialien, massive Skulpturen aus urwüchsigem Holz, geschwungene Linien auf gutem Papier: Die Ausdrucksfähigkeit von Luja Kristin Willkommen ist vielgestaltig. Sie möchte mit ihren Arbeiten Schönheit in die Welt streuen und Wohlfühlräume schaffen. Zurzeit ist ein Teil ihrer Werke in der Galerie Goldfisch August in der Neustadt zu sehen.

Hallo Dresden: Hallo Luja! Auffällig bei Deinen Arbeiten sind die Motive aus der Natur. Immer wieder sind Eichelkappen, Blätter, Holz und vieles mehr verarbeitet. Was ist so schön an der Arbeit mit diesen Materialien?
Luja Kristin Willkommen: Diese Materialien sind lebendig. Sie tragen den besonderen Rhythmus der Natur in sich. Ein Rhythmus, der beruhigt und harmonisiert. Ich bin ein Draußenmensch. In der Natur kann ich zur Ruhe kommen und durchatmen, denn die Natur birgt immer stimmige, einfache Schönheit in sich. Das beruhigt die Augen und das Gemüt. Ein Grasmotiv kann zum Beispiel an einen Spaziergang über eine Sommerwiese erinnern. Als Städter sollte man sich die Natur mehr nach Hause holen. Ich bin außerdem eine Sammlerin, wenn ich rausgehe, dann sammle ich Motive, Muster, Eindrücke und besondere Naturmaterialien. Die wollen dann alle verarbeitet werden, denn nach den Augen werden bei mir die Hände aktiv.

Hallo Dresden: Jedes Stück, das Du fertigst, ist ein Unikat – und damit künstlerischer Selbstausdruck. Wie ist es, dieses Stück von sich selbst an andere zu geben, die es dann aufstellen oder am Körper tragen?
Luja Kristin Willkommen: Es macht glücklich und fühlt sich unterstützend an, denn ich lebe ja vom Verkauf. Aber bei manchen Stücken, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, fällt es mir auch mal schwer sie loszulassen. Besonders, wenn sie zu hundert Prozent meinen Geschmack treffen und aus mir erwachsen sind. Das ist schon manchmal ganz schön persönlich, vor allem bei freien Arbeiten. Meine größte und schönste Skulptur – ein Franziskus – steht jetzt im öffentlichen Raum und manchmal fehlt sie mir sehr. Würde sie in meinem Garten stehen, könnte nur ich sie betrachten. Aber darum geht es uns Künstlern ja; unsere Werke in die Welt zu tragen. Das gilt auch für das Kunsthandwerk. Ich will meine Art Selbstausdruck unter die Menschen tragen, um sie zu erfreuen und, in meinem Fall, an ihre Natürlichkeit zu erinnern. Aber ich fertige auch Dinge, die meine Zielkundschaft mag und braucht, ich achte auf die Jahreszeitenfarben und manchmal auf einen Trend. Das eher selten, da ich gern zeitlose Dinge herstelle, die damit auch nachhaltiger sind. Meiner Eigenart bleibe ich dabei immer treu.

Dekoobjekte
Dekoobjekte aus Naturmaterialien von Luja Kristin Willkommen
© L. K. Willkommen

Hallo Dresden: Stellst Du Dir bei der Arbeit an einem Stück den künftigen Besitzer vor?
Luja Kristin Willkommen: Nein, meistens lasse ich einfach meinen inneren ästhetischen Kritiker wirken, der weiß genau was passt, zum Beispiel bei der Kombination von Stofffarben und Druckmotiven. Oder ich folge meinem inneren Bauchgefühl, welches sich unwohl fühlt, wenn Farben, Materialien oder Muster nicht passen. Bei einem speziellen Auftrag hingegen versuche ich den Kundenwunsch bestmöglich umzusetzen, aber immer im Einklang mit dem inneren Bauchgefühl. Wenn das nicht stimmt, unterbreite ich dem Kunden schon mal einen Änderungsvorschlag. Mit der Zeit weiß man besser, was zu wem passt, aber ich bin immer wieder überrascht, wem was steht und wer sich was kauft. Da sollte man ganz offen und frei sein in seinen Vorstellungen, finde ich.

Hallo Dresden: Deine Arbeiten wirken sehr feminin – grazil, feingliedrig, geschwungen, rundlich. Produkte also nur für Frauen?
Luja Kristin Willkommen: Ja schon, auch wegen der Produktthemen. Kosmetiktaschen, Ohrringe und Ketten sind ja eher Frauendinge, aber ich bemühe mich auch bei der Stoff- und Motivauswahl, beispielsweise bei Handytaschen und Buchhüllen, eher männliche Geschmäcker zu treffen. Aber eher gehen Männer für ihre Frauen bei mir einkaufen.

Hallo Dresden: Wie entsteht eine Idee?
Luja Kristin Willkommen: Ideen habe ich gaaanz viele. Oft muss ich nicht lange suchen, sie sprudeln aus mir raus. Meist muss ich mich eher bremsen. Aber nicht jede Idee ist dann in der Umsetzung stimmig und so wirkungsvoll, wie ich mir das vorher gedacht habe. Ich lerne durchs Machen und wenn ich die Idee das erste Mal in eine fassbare Form bringe, landet sie auch mal direkt im Papierkorb, weil es nicht so funktioniert, wie ich es mir gedacht habe. Zwischen Idee und Endprodukt liegen meist mehrere Monate des Tüftelns und Verwerfens. Das richtige Material zu finden, das Produkt verkaufsfähig zu gestalten und dann in Serie zu gehen, ist oft ein langer Weg. Dann beginnt die Testphase. Wird es von meinen Kunden angenommen, was muss ich noch verändern oder anpassen? Nach einem Jahr, wenn es gut läuft, entscheide ich dann ob das neue Produkt bleiben darf.

Potrait.K.L.Willkommen_DSC_4321
Vielseitiges Gestaltungstalent: Luja Kristin Willkommen 
© L. K. Willkommen

Hallo Dresden: Wo lässt Du Dich inspirieren?
Luja Kristin Willkommen: Inspirieren lasse ich mich gern in der Natur selbst. Bei einem Spaziergang oder in einem Buchladen – ich liebe Kreativbücher – auch gern im Internet auf Kreativblogs, manchmal auf Kunsthandwerkermärkten; vor allem, indem ich mit wachen Augen durch die Welt gehe. Schöne Farbkombinationen und interessante Muster finden sich überall, aber die Schönsten in der Natur.

Hallo Dresden: Du lebst davon, dass Menschen eben jenes schön und besitzenswert finden, was Du herstellst. Wie erspürst Du diesen Geschmack anderer?
Luja Kristin Willkommen: Es ist, glaube ich, eher mein Geschmack, der aus meinem Bauchgefühl kommt. Nach einer Weile finde ich dann beim Verkauf heraus, was gut geht und was vor allem zeitlos ist, also keinem Trend folgt, der schon nächstes Jahr wieder abgelöst werden will, sondern einmalig bleibt. Aber ich verfolge auch den Zeitgeschmack und nehme mir dann das raus, was für mich stimmig ist. Da meine Produkte Naturverbundenheit ausdrücken und wir uns gesellschaftlich mitten in einer starken Bewegung „Zurück zur Natur, zu Ursprüngen, zu mehr Nachhaltigkeit“ befinden, treffe ich gerade gut den Geschmack vieler Menschen. Aber auch in Zukunft mache ich mir da keine Sorgen. Denn solange ich mir treu bleibe, glaube ich, wird es immer mehr Menschen geben, die meinen Stil besitzenswert finden.

Hallo Dresden: Du möchtest mit Deiner Arbeit »Wohlfühlräume« schaffen: Was sind das? Und wie geht das?
Luja Kristin Willkommen: Dazu muss ich erwähnen, dass ich neben Kunsthandwerk auch als Raumgestalterin tätig bin – aber noch in Babyschuhen. Wohlfühlräume sind Orte, an denen Menschen zur Ruhe kommen: innerlich wie äußerlich. Wo visuelle Reize und Störfaktoren – das kann auch mal ein unpassendes Möbelstück oder eine überfüllte Deko oder eine falsche Farbe sein – durch eine harmonische natürliche Gestaltung ausgeblendet werden. Naturmaterialien wirken von sich aus entspannend und erdend. Dadurch lebt der Raum.
Vor allem Holz pulsiert im eigenen Rhythmus und wirkt ausgleichend. Ich arbeite gern eng mit den Kundenwünschen zusammen und das kann gern mal bunt und laut sein, aber eben so kombiniert, dass man sich wohlfühlt. Wobei meine Stärken eher in den schlichten Farbkombinationen liegen. Ich versuche da einfach eine Harmonie herzustellen und zu erspüren, was der Kunde braucht, um sich wohlzufühlen. Oder was den Zweck des Raumes unterstützen würde.
Manchmal muss man eher wegnehmen, reduzieren, mit Farben sparen oder manchmal ganz dick auftragen und vollstellen. Jeder Raum, jeder Mensch braucht ein anderes Wohlfühlumfeld. Das gilt es zu erspüren. Ein Yogaraum braucht in meinen Augen eine gewisse erdende Frische, ein Kinderzimmer eher zarte Farbe, Pastelltöne, viel Helligkeit, leeren farblosen Platz und eine gemütliche Rückzugsecke. Ein Büro braucht viel Licht, wenig Ablenkung und kleine Farbakzente für die innere Freude und Motivation. Meine Textilprodukte versuche ich beispielsweise immer so zu gestalten, dass sie in nahezu jedes Wohnumfeld passen und dieses oder den Menschen aufwerten.

mohnfrau
Elfengleich, feingliedrig – und unbedingt weiblich .
© L. K. Willkommen

Hallo Dresden: Gibt es einen Raum oder einen Ort in Dresden, den Du Dir gern einmal vornehmen und entsprechend wohlfühlig umgestalten würden?
Luja Kristin Willkommen: Oh, das ist eine gute Frage. Ganz neu würde ich gern ein Cafe gestalten. Gemütlich, natürlich und trotzdem edel und schlicht. Mit recycelten Möbeln, denen man das aber nicht unbedingt ansieht. Mit kleinen Farbakzenten, aber hauptsächlich gedeckten Farben, mit Couchecke und viel Licht.

Hallo Dresden: Vielen Dank und viel Erfolg weiterhin!
Luja Kristin Willkommen: Gerne und danke Dir.

Die Produkte von L. K. Willkommen findest Du im Bereich Altstadt und Neustadt hier:
Galeriegemeinschaft Goldfisch August
Rähnitzgasse 12
01097 Dresden
Besuchereingang: Heinrichstraße
Tel.: 0173 8612823
http://www.goldfisch-august.de

In der Galerie Goldfisch August findet sich eine gelungene Kombination einer Galerie mit junger Kunst und einem Laden mit edlem Kunsthandwerk (Keramik, Stoff, Schmuck). Zwei junge innovative Frauen führen diese Galerie, während sie gleichzeitig im Untergeschoss als Schmuckdesignerin und Malerin Stücke für die Galerie herstellen. Kundenwünsche sind somit gleich umsetzbar, ein Blick über die Schulter auch mal möglich. Die Lage im Barockviertel zieht die gehobene Kundschaft an. Regelmäßige Veranstaltungen, Workshops und Ausstellungen von externen Künstlern machen einen Besuch lohnenswert. Und der witzige und edle Auftritt der Galerie im barocken Stadtteil wertet das Viertel ungemein auf.

Galerie.Goldfisch.aussen_Foto.R.Krüger
Galerie Goldfisch August im Barockviertel 
© R. Krüger

Produkte von L. K. Willkommen in der Galerie Goldfisch August:
Handbedruckte Taschen und Jahreszeitendekoration

Die Produkte von L. K. Willkommen findest Du im Bereich Blasewitz und Loschwitz hier:
atelier kleinod
REGALMIETELaden und ProduzentenGALERIE
Dammstraße 1 / Körnerplatz
01326 Dresden
Tel.: 0160 96859021
E-Mail: kleinod@eineidee.com
kleinod-dresden.blogspot.de

Ein kleiner Regalmieteladen am schönen Körnerplatz mit viel Stil und Charme. Hier finden sich sehr ausgewählte, gut kombinierte und geschmackvolle Produkte sehr übersichtlich arrangiert. Die persönliche 1:1 Kundenbetreuung macht besondere Kundenwünsche möglich. In regelmäßigen Abständen wird umgeräumt und neue Label und Produkte finden Einzug. Das macht einen Besuch immer lohnenswert, denn die Besitzerin Anke Isert achtet auf handgemachte Produkte von möglichst regionalen Künstlern. Das geht über Schmuck und Keramik hin zu recycelten Glasobjekten und Textilkunst und vielem mehr. Ideal für die Suche nach einem besonderen Geschenk oder einem Unikat für sich selbst.

Produkte von L. K. Willkommen im atelier kleinod:
Handbedruckte Taschen, Schmuck und Jahreszeitendekoration

Die Produkte von L. K. Willkommen findest Du im Bereich Leuben und Prohlis hier:
atelier ichbin.
Luja Kristin Willkommen
Tauernstraße 51
01279 Dresden
Mobil 01742852672
E-Mail: info@atelier-ichbin.de
http://www.atelier-ichbin.de

Atelier ichbin.
Das Atelier auf der Tauernstraße ist Wohnraum und Ideenschmiede zugleich. In den eigenen vier Wänden kommen oft die besten Ideen. Daher ist das Arbeitszimmer mit der nötigen Basisausstattung für kreative Schübe bestückt. Außerdem gibt es hier stets eine Auswahl an aktuellen Musterobjekten. Nach Voranmeldung ist das Wohnatelier geöffnet.

© Vorschaubild: L. K. Willkommen

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s