„Kinder sind ein sehr anspruchsvolles Publikum“

Jedes Jahr in den Herbstferien widmen sich vier Kinos in Dresden (Filmtheater Schauburg, Programmkino Ost, Thalia, Kino in der Fabrik) zwei Wochen lang von 9:00-17:00 Uhr der besonderen Thematik Kinderfilm. Von lustig über traurig, von Zeichentrick bis Dokumentation ist alles dabei, was Kinderherzen höher schlagen lässt. Sandra Wehler organisiert als Geschäftsführerin des Objektiv e. V. das KINOLINO-Kinderfilmfest, welches dieses Jahr vom 10. bis 25. Oktober statt findet.

Hallo Dresden: Beinahe jedes Kind hat Zuhause einen Fernseher, möglicherweise sogar eine Spielekonsole oder Zugang zu einem Computer. Warum gehen die Kinder überhaupt noch ins Kino?
Sandra Wehler: Kinofilme werden für die Präsentation im Kino produziert und wirken auch – meiner Meinung nach – nur dort am besten. Dabei soll das Kino nicht nur als Ort zum Rezipieren genutzt werden – wir wollen den Kinderfilm in seiner ganzen Vielfalt und Besonderheit wahrnehmen und feiern. Zudem ermöglichen wir mit besonderen, interaktiven Kurzfilmprogrammen den Erstkontakt für unsere jüngsten Besucher ab 4 Jahre.

Hallo Dresden: Das KINOLINO betreibt keine Event-Hascherei. Was steht im Vordergrund?
Sandra Wehler: Im Vordergrund steht ganz klar das anspruchsvolle Genre Kinderfilm, welchem wir eine Bühne geben wollen. Im Mittelpunkt des Programms stehen die Dresdner Premieren und damit ausgewählte Kinderfilmproduktionen, die im Rahmen des Festivals allesamt zum ersten Mal in Dresden auf der Kinoleinwand präsentiert werden. Wir haben den Anspruch, jedes Jahr mehr Premieren zum KINOLINO zu holen.

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Sandra Wehler, Geschäftsführerin des Objektiv e.V. und Organisatorin des KINOLINO-Kinderfilmfestes
© Objektiv e.V.

Hallo Dresden: Das heißt, Dresden braucht das KINOLINO-Kinderfilmfest, weil…?
Sandra Wehler: … wir mit dem Kinderfilmfest nun schon eine 22-jährige Tradition pflegen. Das heißt, dass mittlerweile Eltern mit ihren Kindern ins Kino kommen, welche als Kinder selber beim KINOLINO waren – und dies nun mit ihren Kindern erleben. Das ist meiner Ansicht nach einer der schönsten Erfolge. Neben den Dresdner Premieren spielen wir jedes Jahr Kinderfilmklassiker sowie Produktionen aus vergangenen Kinojahren. Filme wie »Ronja Räubertochter«, »Spuk unterm Riesenrad« oder „E.T. – Der Außerirdische« begeistern dabei nicht nur die jungen Kinobesucher, sondern animieren auch Eltern und Großeltern zu einem gemeinsamen Filmerlebnis und lassen so das Kino als generationenübergreifende Unterhaltungs- und Bildungsinstitution aufleben.

Hallo Dresden: Ich lese ganz oft »Ein Film für die ganze Familie«. Ist das – aus Sicht der Kinder und ihren Anforderungen an Filme – ein gutes Qualitätsurteil?
Sandra Wehler: Natürlich. Warum sollte das eine negative Beurteilung sein? Meiner Ansicht nach sind gerade Kinder ein sehr anspruchsvolles Publikum. Sie zeigen ihre Emotionen sehr deutlich und »sitzen« einen Film nicht einfach aus. Anspruchsvolle Kinderfilme haben erzählerischen Schwung, lustige Ideen, klare Sprache und Bilder – alles Kriterien, die für ein Familienerlebnis sprechen.

Hallo Dresden: Welche Geschichten, welche Themen interessieren Kinder in Filmen am meisten?
Sandra Wehler: Je nach Alter, Freundschaft, Familie, Abenteuer, erste Liebe… Kinderfilme widmen sich natürlich auch der Bewältigung von Problemen: Streit mit dem besten Freund, Probleme in der Familie oder Schule, Eifersucht oder Liebeskummer – alles, was Kinder und Jugendliche eben den ganzen Tag über beschäftigt. Filme eignen sich hervorragend, Themen anzuschneiden, um sich später – beispielsweise in einem Filmgespräch – darüber zu unterhalten. Dabei können die Geschichten mit einer großen Portion Humor oder auch mal mit viel Ernsthaftigkeit erzählt werden.

Hallo Dresden: Das Kinderfilmfestival gibt es einmal im Jahr, Filme für Kinder sind über das Jahr verstreut immer mal wieder in den Kinos zu sehen. Sollten Eltern regelmäßig mit ihren Kindern ins Kino gehen? Hat das einen pädagogischen Nutzen?
Sandra Wehler: Auf die Frage kann ich natürlich nur mit Ja antworten. Der Film ist ein Bildungsmedium und gehört zum Alltag von Kindern und Jugendlichen. Wie bereits zu Beginn des Interviews angesprochen, umgeben sich Kinder und Jugendliche den Großteil ihres Tages mit bewegten Bildern – ob nun im Fernsehen, Internet, …
Eine pädagogische Begleitung ist unglaublich wichtig, weshalb wir in Schulprojekten auch immer über die Kraft von Bildern sprechen. Ein Film ist nun mal eine Kunstproduktion und sollte auch als solche verstanden werden. Zudem spielen wir im Schulkino das ganze Jahr über anspruchsvolle Kinderfilme, weshalb sich ein gemeinsamer Besuch immer lohnt.

Hallo Dresden: Und Kinder ohne Begleitung eines Erwachsenen ins Kino – ab wann ist das sinnvoll oder sogar nötig?
Sandra Wehler: Das hängt natürlich grundsätzlich vom Film, der Altersfreigabe und dem Kind an sich ab. Manche trauen sich alleine oder mit Geschwistern ins Kino – manche nicht. Je nachdem wann sie welche Erfahrungen mit dem Ort gemacht haben. Darüber hinaus plädieren wir immer für einen gemeinsamen Kinobesuch als Familienerlebnis.

Hallo Dresden: Eine Frage zum Schluss: Wie viele Filme siehst Du Dir im Jahr im Kino an?
Sandra Wehler: Oh, das kommt auf die Neuerscheinungen an – aber wenn es sich einrichten lässt, dann gehe ich schon zweimal im Monat ins Kino. Filme sehe ich aber viel mehr, da wir jedes Jahr sehr viele Kinder- und Jungendfilme für die unterschiedlichen Projekte sichten.

Hallo Dresden: Ich danke Dir und wünsche für das KINOLINO viel Erfolg!
Sandra Wehler: Vielen Dank… und ich sage schon mal jetzt: FILM AB!

Die vier KINOLINO-Spielstätten:

Cotta/Plauen:
KIF – kino in der fabrik
Tharandter Straße 33
01159 Dresden

Altstadt/Neustadt:
Filmtheater Schauburg
Königsbrücker Straße 55
01099 Dresden

Thalia
Görlitzer Straße 6
01099 Dresden

Blasewitz/Loschwitz:
Programmkino Ost
Schandauer Straße 73
01277 Dresden

© Vorschaubild: Objektiv e.V.

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